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Das Holländische Viertel in Potsdam

und die Französisch-Reformierte Gemeinde

.... eine Führung in der Französischen Kirche zum Tulpenfest im Holländischen Viertel

 

von Silke Kamp

 

Die Französische Kirche am Bassinplatz wurde 1753 fertiggestellt und Nachfahren französischer Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) durch Friedrich II. zum Geschenk gemacht. Die Bauausführung leitete damals ein Holländer: nämlich Jan Bouman und der Fußboden war mit Fliesen aus demselben Ort gedeckt, woher auch die Ziegel für die Häuser im Holländischen Viertel stammen, Rathenow nämlich. Stellen Sie sich den Boden also genauso leuchtend rot vor, wie die Holländerhäuser.

 

Das wären bereits zwei Bezüge dieser Kirche zum Holländischen Viertel:  Einer seiner Bewohner war Baumeister der Französischen Kirche, daneben war der Farbton des Fußbodens hier derselbe wie der der Häuserfassaden dort.

Es gibt aber noch ganz andere Verbindungen der Französischen Gemeinde zum Holländischen Viertel und davon will ich Ihnen heute ein wenig erzählen.

Die Kirche steht mitten zwischen dem Französischen Quartier und dem Holländischen Viertel. Dabei hat das Holländische Viertel eigentlich viel mehr mit der Französischen Gemeinde gemein als mit dem Französischen Quartier und diese Bezüge wirken auch noch bis heute fort.

 

Lassen Sie mich zuerst ein paar Worte darüber verlieren, wie die Gemeinde überhaupt erst entstanden ist. In den ersten Jahren nach dem Edikt von Potsdam, das 1685 vom Großen Kurfürsten erlassen wurde, kamen nur wenige Hugenotten hierher. Vom Hof abgesehen, bot die Residenzstadt offenbar kaum Erwerbsmöglichkeiten. Das änderte sich erst, als Friedrich Wilhelm I., der so genannte Soldatenkönig, Potsdam zu einer Garnisonstadt ausbaute und für die steigende Zahl von Soldaten einerseits Quartiere benötigt wurden, d.h. mehr Hausbesitzer, die Soldaten bei sich aufnehmen konnten, und andererseits die Regimenter auch versorgt und ausgerüstet werden mußten. Für die Montierung der Langen Kerls etwa, wurden extra hugenottische Textilfabrikanten nach Potsdam geworben. Das war zu Beginn der 1720 Jahre, als auch das Französische Quartier errichtet wurde.

Das Französische Quartier, wahrscheinlich vom hugenottischen Architekten Pierre Gayette im französischen Stil errichtet, war vielleicht tatsächlich dazu gedacht, möglichst viele Hugenotten aufzunehmen, die in die rasant wachsende Havelresidenz kommen sollten. Doch kamen anfangs weitaus weniger hugenottische Handwerker und Fabrikanten als erhofft und bis auf drei der rund 50 Häuser war dieses Viertel von Deutschen bewohnt. Es gab außer diesen drei hugenottischen Familien noch ein paar weitere, die hauptsächlich in der Breiten Straße und der heutigen Dortustraße lebten. Doch 1723 konnte eine Französische Gemeinde gegründet werden. Hierdurch erhoffte sich der König, die Zahl der Hugenotten in Potsdam schnell vergrößern zu können. Doch in den kommenden Jahren wuchs die Französische Gemeinde nur mäßig. Das änderte sich erst, als die Hugenotten in Potsdam neben der schon vorhandenen Gemeinde und Französischen Schule auch ein Französisches Gericht bekamen und damit ein Gemeinwesen mit relativer Eigenständigkeit, eine Französische Kolonie bildeten. Als Kolonisten genossen die Mitglieder der Französischen Gemeinde noch zusätzliche Privilegien. Sie waren von der Einquartierung befreit, das machte es unter anderem attraktiv, nach Potsdam zu kommen. Im Laufe der 1730er Jahre wurde die anfänglich kleine Hugenottenansiedlung in Potsdam plötzlich zur 7. größten Kolonie in Brandenburg-Preußen, mit knapp 600 Mitgliedern. Doch diesen Stand hielt sie nur ein Jahr, und unter Friedrich II. nahm die Zahl der Kolonisten und damit auch die der Gemeindeangehörigen, stetig ab.

 

Wenn sich also die Französische Gemeinde vor allem in den 1730er Jahren durch Zuzug vergrößerte, bekamen diese hugenottischen Neupotsdamer also auch eines der Häuser, die zu dieser Zeit gebaut wurden. Das waren vor allem die in den Karrees nördlich der Charlottenstraße, wozu auch das Holländische Viertel zählt. „Aber Moment mal,“ werden Sie jetzt denken, „will Sie uns etwa weiß machen, daß im Holländischen Viertel Hugenotten gewohnt haben? Das war doch für Handwerker aus den Niederlanden bestimmt!“

In der Tat waren die Häuser anfangs für Holländer reserviert und dennoch kam der ein oder andere Hugenotte in den Genuß eines Holländerhauses, weil seine Familie aus Frankreich zuerst in die benachbarten Niederlande geflohen war und er sich später für einen Umzug nach Brandenburg-Preußen und ins Ferne Potsdam entschlossen hatte. So erhielt auch der aus Delft stammende Tapetenfabrikant Jacques Duquesne zwei Häuser im Holländischen Viertel, eines als Wohnhaus das andere als Fabrik, die Häuser Nummer 2 und 3 in der heutigen Benckertstraße. Heute ist im Fabrikhaus von Jacques Duquesne das Potsdam-Museum untergebracht.

 

Zugegeben, im Holländischen Viertel wohnten damals mehr Holländer als Hugenotten. Doch als unter Friedrich II. die Häuser im Holländischen Viertel auch Nichtholländern übertragen wurden, siedelten sich in diesem Teil Potsdams nach und nach immer mehr Hugenotten an. So bildete es schon bevor die Französische Kirche südlich des Holländischen Viertels entstand, quasi die Lebensader der Französischen Kolonie. Denn das Holländische Viertel war Wohnsitz für beide Französischen Prediger. Deren Pfarrhäuser befanden sich fast am Ende des Holländischen Viertels, in der Gutenbergstraße. Ende des 18. Jahrhunderts erhielt die Französische Gemeinde dann auch die Häuser 77 und 78 in der Gutenbergstraße als Predigerhaus und Schule. Sie sehen, bis heute ist dieser Bezug der Französisch-Reformierten Gemeinde zum Holländischen Viertel erhalten geblieben. Aber auch eine weitere wichtige Einrichtung für die Hugenotten in Potsdam befand sich im Holländischen Viertel.

 

In der bereits erwähnten Benckertstraße, genau gegenüber vom Potsdam-Museum befindet sich das Haus mit der Nummer 24. Dieses Haus beherbergte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Französische Gericht. Es war zuständig für alle Kolonisten und brachte den Vorteil mit sich, daß die Hugenotten hier ihre Rechtsgeschäfte in französischer Sprache tätigen konnten und sie für die Inanspruchnahme des Gerichts keine Gebühren zu entrichten brauchten, wie sie hingegen der deutsche Magistrat verlangte. Das Französische Gericht war nicht wie das Rathaus ein öffentliches Gebäude, vielmehr war im Haus des jeweiligen Richters der Französischen Kolonie eine Gerichtsstube eingerichtet, in der einmal die Woche der Richter mit seinen Gerichtsdienern Gerichtstag hielt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert war der Hofrat Saint Paul Richter der Französischen Kolonie, und damit befand sich in seinem Haus auch das Französische Gericht, und zwar nach heutiger Bezeichnung in der Benckertstraße 24.

 

Somit spielte das Holländische Viertel in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine wichtige Rolle für die Französische Gemeinde und für die in Potsdam lebenden Hugenotten. Es war Wohnsitz der Pastoren und des Kolonierichters sowie Sitz der Gemeindeschule und damit sozusagen das seelsorgerische, pädagogische und administrative Zentrum, ganz zu schweigen vom nicht unerheblichen Teil der Gemeindeglieder, die dort wohnten.

 

Damit möchte ich jedoch keiner Umbenennung, etwa in Holländisch-Französisches Viertel, das Wort reden – das Holländische Viertel soll so bleiben wie es ist, aber ich hoffe, wenn sie wieder durch seine Gassen schreiten, sehen sie es nun mit anderen Augen, als ein Viertel mit nicht nur holländischer sondern auch mit französischer Vergangenheit und Gegenwart.

 

 

 

Potsdamer in der Französischen Kirche am 23.September 1753 

Kamp, Silke

 

Die Französischen Kirche und das Wasser 

Kamp, Silke

 

„So bin ich eines Refugirten Sohn aus Franckreich“ Ein französischer Lichtzieher im Streit mit dem Seifensiedergewerk

Kamp, Silke

 

Zur Geschichte der Französisch-Reformierten Gemeinde Potsdam zwischen 1662 und 1953  

Manoury, Karl

 

Die sonderbare Geschichte der Französisch-Reformierten Gemeinde Potsdam   

Rutenborn, Gerd

 

 

   

 

   

 

 

    

 

   

 

   

 

   

 

   

 

Stand: 08. Februar 2017

 

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