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Bedeutung
der Französischen Kirche
.... von v.Knobelsdorff, Friedrich II., Boumann, Schinkel
Die Französische Kirche wurde als reformierte Kirche für evangelische Flüchtlinge
aus Frankreich (Hugenotten)
1753 nach Plänen von
v.Knobelsdorff fertig gestellt.
1833 gestaltete
Schinkel den Innenraum neu.
1968 wurde die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen und ihr Abriß erwogen.
1991 begann die schrittweise Renovierung, die
2003 zum 250.Jubiläum der Kirche abgeschlossen wurde.
Die Französische Kirche ist ein Geschenk des bekannten Preußenkönigs, Friedrich
II., an unsere Gemeinde. Sie ist gewissermaßen eine konkrete Umsetzung des berühmten Edikt von Potsdam
. Dieses Edikt - man könnte es
aktualisiert auch Einwanderungsgesetz nennen - ordnete den Zuzug lebensbedrohlich verfolgter
Reformierter aus Frankreich. Aus heutiger Sicht markiert es auch ein erstes Datum
europäischer Integration.
Die Französische Kirche war ebenfalls eine Großinvestition in ein langfristig
angelegtes Programm zur Integration von Ausländern in Potsdam. Dieses Programm formte
Potsdamer Identität jenseits der Kasernen und förderte seinen Ruf im Ausland. Daran kann -
weit über Potsdam hinaus - angeknüpft werden, sowohl im Blick auf die europäische Integration
wie mit Blick auf das heutige Immigrationsproblem.
Beim
Entwurf ließen sich der König und sein bevorzugter Architekt G.W.v.Knobelsdorff durch
ihr bekanntes Pantheon-Motiv (ein Gebäude für alle Konfessionen des Landes) leiten.
Das sollte die Untertanen zu friedlichem Umgang miteinander erziehen. Dieser Ansatz, der auch
seinen Niederschlag in der Hedwigs Kathedrale in Berlin und im Kuppelbau des Schlosses
Sanssouci in Potsdam fand, konnte nicht ganz umgesetzt werden. Immerhin wäre er auch
heute noch innovativ, bis hinein in den politischen Bereich.
Die Wirkungsgeschichte des friderizianischen Ansatzes wird nicht zuletzt am Bassinplatz
deutlich. Hier war es möglich, neben der Hugenottenkirche eine römisch-katholische Kirche zu
bauen und toleranten Umgang zu entwickeln, der die belastete Geschichte nicht
vergessen macht, aber Wege in eine entspannte Zukunft ebnete.
Die großen Ideen, die mit der Französischen Kirche verbunden sind, blieben lebendig
und belastbar. - In der DDR war die Französische Kirche historisch legitimierter Ansatzpunkt, um
mangelnde Toleranz und fehlende Weltoffenheit benennen zu können.
Heute kann von der Französischen Kirche, als einem Zeichen europäischer Geschichte,
die Wiederbelebung der für Potsdam prägenden und identitätsstiftenden Verbindung zu
Frankreich ausgehen. Auch die europäische Integration kann von hier einen Impuls erfahren und
historische Logik ableiten.
Schließlich sei daran erinnert, dass das moderne Demokratie- und Kirchenverständnis
entscheidend durch die Synodalidee mitgeprägt wurde, die französisch reformierten Ursprungs
ist.
G.W.v.Knobelsdorff, der fähigsten Architekten Preußens, entwarf für unsere Gemeinde
eine wirklich reformierte Kirche in der menschliches Maß und
Erhabenheit in Eins gehen.
Der ovale Bau – in sumpfigem Gelände mit gewagter Kuppelkonstruktion
– wurde 1751 bis 1753 unter Leitung des Holländers
Johan Bouman / Johann Boumann, einem für Potsdam sehr bedeutenden Baumeister (Holländisches Viertel
u.v.m.) errichtet, der auch Mitglied unserer Gemeinde war. Das Gestühl arrangierte
v.Knobelsdorff leicht ansteigend, dem Oval folgend, wie in einem Amphitheater.
Von kirchlichen Ausschmückungen wurde abgesehen, damit die Bibel und ihre Auslegung allein
das Zentrum der Aufmerksamkeit bilden. Auf künstlerische Ausschmückung wurde verzichtet, da
in der Kirche die Anwesenden als Kunstwerke ihres Schöpfers keiner künstlerischen Ergänzungen
bedürfen. Eine Orgel gab es zunächst nicht. Der kräftige Gemeindegesang ließ eine solche
Investition überflüssig erscheinen.
K.F.Schinkel,
der bekannteste preußische Architekt des 19. Jahrhunderts, wurde 1832 mit einer Renovierung
der – durch napoleonische Truppen demolierten – Kirche betraut. Dazu konsultierte er auch den
bekannten reformierten Theologen Friedrich Schleiermacher. Die staatlich gewünschte
Erweiterung der Kirche lehnte Schinkel ab. Er wollte die Ästhetik des Knobelsdorff'schen
Baus erhaltenen. Schinkel änderte die Aufstellung des Gestühls und ließ eine
Kanzelwand errichten, doch bewahrte er weitgehend den besonderen Charakter dieser
freundlichen hellen Kirche ohne Altar, Bilder und Kreuze.
Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu wilhelminischen Überprägungen, die der Kirche einiges
von ihrer Schlichtheit und ihrem Wesen nahmen. Das wurde aber - bei nächster Gelegenheit -
Anfang der 20er Jahre so weit es ging wieder zurück genommen.
Wir haben die Kirche jetzt nach den Ideen von Knobelsdorff, Boumann und
Schinkel renoviert.

Zur Geschichte der Französisch-Reformierten Gemeinde Potsdam zwischen 1662 und 1953 
Manoury, Karl
Die sonderbare Geschichte der Französischen Gemeinde zu Potsdam - Ein Rückblick 1973
 Rutenborn, Günter
Das königliche
Geschenk - 250 Jahre Französische Kirche

Kamp, Silke
Potsdamer in
der Französischen Kirche am 23.September 1753

Kamp, Silke
Die Französischen Kirche und das Wasser 
Kamp, Silke



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