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Die Barockorgel
der Französischen Kirche
In hugenottischer Tradition hatte die Französische Kirche zunächst keine Orgel. In
den Gottesdiensten wurden ausschließlich die 150 Psalmen so gesungen, daß auf eine Orgel
verzichtet werden konnte.


Die Orgeln der Französischen Kirche
Ihre erste Orgel erhielt die Kirche 1787 durch Ernst Julius Marx (1728-1799) aus
Berlin. Allerdings erlitt dieses Instrument bereits 1806 schwere Schäden, als die Kirche
während der französischen Besetzung als Kavallerie-Fouragemagazin diente.
1930 kam es zu einem Orgelneubau durch Alexander Schuke (1870-1933) aus
Potsdam, dessen Werkstatt sich unmittelbar neben unserem Gemeindehaus befindet. Dieses Instrument ist in den 70er Jahren vollständig demoliert worden. Es wurden während Einbrüchen mit Brechstangen zerlegte. Die gestohlenen Orgelpfeifen sind als Altmetall verkauft worden. Die Reste waren nicht mehr instand zu setzen.
Auf der Suche nach Ersatz ergab sich die sensationelle Chance, eine 200 Jahre alte
Barockorgel zu erwerben, die nicht mehr genutzt wurde. Sie entspricht im Klangstil und ihrer
äußeren Gestaltung der ursprünglich in der Kirche aufgestellten Marx-Orgel und wurde nur
wenige Jahre früher erbaut. Dieses Instrument wurde in der Werkstatt der Potsdamer
Alexander Schuke Orgelbau GmbH restauriert.


Herkunft und Wiederentdeckung der
Grüneberg-Barockorgel
Die Orgel der Französischen Kirche war ursprünglich für die Reformierte
Johanniskirche in Spandau gebaut worden, befand sich jedoch seit 1903 in der Dorfkirche
Bärenklau bei Oranienburg. Dort geriet sie lange in Vergessenheit. Erst 1983 wurde sie von
Andreas Kitschke gemeinsam mit Kantor Christlieb Albrecht eingehend untersucht und
gewissermaßen wiederentdeckt. Dabei kam überraschend eine im Manual-Ventilkasten eingeklebte
Inschrift zutage, die den lange vergessenen Erbauer des Instrumentes offenbarte:
"Anno 1783 ... Orgel erbauet von Johann Wilhelm Grüneberg Orgelbauer in
Brandenburg den 8ten May"
Die Orgel war seit Jahren unspielbar und bot einen wahrhaft traurigen Anblick: Einige
Prospektpfeifen sowie Teile der Schnitzereien waren verschwunden. Innen lag eine dicke
Schicht aus Kalkstaub und Schmutz sowie Holzmehl von frischem Wurmbefall. Einige
Pfeifenreihen fehlten, andere waren verbeult. Nur sofortiges Handeln konnte den
fortschreitenden Verfall aufhalten.
Aber die Orgel hatte
an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort in Spandau in einem viel größeren Kirchenraum
gestanden. Beim Umsetzen in die kleinere Kirche von Bärenklau waren deshalb mehrere Register
entfernt worden. Nach der dringend gebotenen Wiederherstellung des originalen Klanges wäre
die Orgel viel zu lautstark für die winzige Bärenklauer Kirche. Das sprach gegen einen
Verbleib an diesem Ort.
Die Grüneberg-Orgel besitzt eine auffällige Ähnlichkeit mit der längst vergessenen,
1787 für die Potsdamer Französische Kirche gebauten Marx-Orgel. Deshalb schlug
A.Kitschke vor, dieses Instrument nach Potsdam zu holen. Hier gab es einst mehrere berühmte
Barockorgeln, von denen aber keine erhalten geblieben ist.
Die Bemühungen zur Rettung der Orgel wurden vom Orgelsachverständigen KMD Christhard
Kirchner und im Konsistorium der Evangelischen Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
von OKR Pettelkau nach Kräften unterstützt. So konnte die Französisch-Reformierte Gemeinde
Potsdam 1985 das Projekt übernehmen und mit der Planung der Restaurierung beginnen. 1991
wurde das Instrument endlich ausgebaut und in die Werkstatt der Firma Schuke in Potsdam
gebracht. Die Orgel ist zum überwiegenden Teil original erhalten. Außerdem sind in Spandau
noch fast alle Orgelbauakten vorhanden. Deshalb war eine denkmalgerechte Restaurierung des
Gehäuses und der Pfeifen dieses eindrucksvollen Instrumentes möglich.

Disposition der barocken Grüneberg-Orgel
| Manual C, D-c''' |
Pedal C, D-c' |
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Prinzipal 8'
Gedact 8'
Rohrflöte 8'
Octave 4'
Nassat 3'
Octave 2'
Cornet 3f disc.
Mixtur 4f 1½'
Trompete disc. 8'
Zug für die Cymbel-Sonnen
Tremulant |
Subbaß 16'
Violon 8'
Octave 4'
Posaune 8' |
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Der in Zerbst gebürtige Johann Friedrich Wilhelm Grüneberg (1751-1808)
war eine zeitlang bei dem Wagner-Schüler Gottlieb Scholtze (1712-1782) in Neuruppin
tätig.
1775 ließ sich Grüneberg in der Stadt Brandenburg nieder. Seitdem baute er
Instrumente ganz in der Tradition Wagners.
Unsere Orgel ist mit 13 Registern die größte der wenigen erhaltenen dieses bedeutenden Meisters, der unter Orgelforschern seit langem zu den bedeutendsten gezählt wird, die nach Joachim Wagner in der Mark Brandenburg wirkten.
Grünebergs repräsentatives Wohn- und Werkstattgebäude, das 1723 errichtete „Freyhaus“, ist noch vollständig erhalten und befindet sich in der Hauptstraße, ursprünglich Ritterstraße 158 in Brandenburg. |

Zeittafel zur Grüneberg-Orgel
1765 die Witwe Anne Marie Schneeberg vermacht der Reformierten Spandauer
Johanniskirche testamentarisch 1000 Taler für eine Orgel und ein Armenlegat
1782 mit dem Tode der Frau Schneeberg am 31.1.1782 tritt die Schenkung in Kraft
1782 im Februar reicht der renommierte Berliner Orgelbauer Ernst Marx sen.,
ein Schüler Joachim Wagners, zwei Zeichnungen und dazu Kostenanschläge ein
1782 am 25. März bringt das "Amts-Kirchen-Revenuen-Direktorium" den Brandenburger
Orgelbauer Grüneberg in Vorschlag
1782 am 13. April fertigt Grüneberg eine Prospektzeichnung und reicht am 25. April
einen Kostenanschlag ein (683 Taler)
1782 am 24. Mai Vertragsabschluß mit Grüneberg, dabei wird der Gesamtpreis auf 650
Taler herabgesetzt
1783 am 27. Juni Abnahme der Orgel durch den Komponisten Johann Friedrich
Rellstab (1759-1813) und den Organisten Wagner von der Berliner Dreifaltigkeitskirche
1783 am 6. Juli Indienststellung der Orgel in der Spandauer Johanniskirche
1802 Reparatur durch Friedrich Emanuel Marx (1767-1826), Sohn des einstigen
Konkurrenten Grünebergs
1836 Veränderung der Disposition durch einen ungenannten Orgelbauer
1849 Reparatur, Intonation und Stimmung durch die Berliner Orgelbauer Wilhelm
Lang (1794-1858) und Ferdinand Dinse (1811-1889)
1859 Umbau durch Friedrich Hermann Lütkemüller (1815-1897), Wittstock
1902 Abriss der Spandauer Johanniskirche (nach Fertigstellung des Neubaus der
Lutherkirche)
1903 Umsetzung der Orgel nach Bärenklau durch Alexander Schuke (1870-1933)
aus Potsdam, dabei Fortlassung einiger Register (6 Grüneberg- und 2 Lütkemüller-Stimmen sind
seither erhalten)
1917 Beschlagnahme der Prospektpfeifen zu Kriegszwecken
1927 Beschädigung
bei Einsturz der Kirchendecke
1928 Reparatur durch Alexander Schuke, neue Prospektpfeifen aus Zink
1938 Begutachtung durch Hans-Joachim Schuke (1908-1979), jedoch keine
Reparaturen
1983 Vorschlag von Andreas Kitschke, die Orgel in die Französische Kirche
in Potsdam umzusetzen
1984 Zustimmung der Kirchengemeinde Bärenklau zur Abgabe der Orgel
1985 Gutachten durch Orgelrestaurator Gernot Schmidt vom damaligen VEB
Potsdamer Schuke-Orgelbau
1990 Ergänzung und Restaurierung der Prospektschnitzereien durch Thürmer,
Dresden
1991 Ausbau und Sicherung der technischen und klingenden Teile der Orgel, Beginn
der denkmalgerechten Restaurierung durch die Alexander Schuke Orgelbau GmbH Potsdam
1992 Abbruch der Arbeiten, weil die weitere Finanzierung der Restaurierung nicht
gesichert ist
1994 Abbau und Instandsetzung des Orgelgehäuses durch Tischlermeister Olaf
Thiede in Bötzow
1999 Der frühere Verleger Ernst Naumann aus Ahrensburg bei Hamburg spendet
die notwendigen Mittel zum Abschluss der Orgelrestaurierung. Die Werkstattarbeiten werden im
Herbst fortgesetzt.
2000 Mitte Februar wird das Orgelgehäuse durch die Firma Olaf Thiede aus
Bötzow eingebaut
2000 Zu Ostern am 23. April erklingt die Orgel zum ersten Mal im Gottesdienst, 6
Register sind bereits fertiggestellt
2000 Am 22. Juli wird die vollständig restaurierte Orgel zum ersten Mal durch den
Organisten der Gemeinde, Christoph Förste, öffentlich gespielt.
2000 im September wird das Orgelgehäuse durch die Firma Kurt Kallensee & Sohn aus Potsdam farblich neu gefaßt und vergoldet.
2000 Am 29. September wird die Fertigstellung der Orgel mit einem Festakt offiziell
gefeiert
2000 Am 9. Oktober erfolgt die Abnahme durch den Orgelsachverständigen
der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Herrn
Christhard Kirchner. Anwesend waren Dr. Christoph Förste von der
Französisch-Reformierten Gemeinde sowie die Herren Matthias Schuke, Tilo Catenhusen
und Klaus-Michael Schreiber von der Alexander Schuke Orgelbau GmbH
Andreas Kitschke / Dr.Christoph Förste, 10. August 2000
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Bank |
Frz.-Reformierte Gemeinde
15 64 15 70 11
20 400
KD-Bank |
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benötigen wir Namen und Anschrift. |




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