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Weit weg und doch nahe

.... unsere Gemeinde von außen gesehen

 

Ward Stolk, Amersfoort/NL *

 

Gurkenzeit, viele Menschen sind im Urlaub. Aber was soll man mit der Kirche in den Ferien machen?

Bei der einen Familie wird eine Art Gottesdienst selbst zusammengebaut. Eine andere wird vielleicht einem Gottesdienst auf der Kassette lauschen. Wieder andere gehen in den Ferien einfach zu der Ortsgemeinde. Einheit mit anderen Christen, auch wenn die Sprache vielleicht total anders ist.

Aber was ist, wenn man für längere Zeit beruflich im Ausland ist? - Jede Woche die Kassette von Zuhause schicken lassen?

In meiner ersten Woche in Potsdam beschloss ich, eine Gemeinde für den kommenden Sonntag auszusuchen. Weil ich keine Ahnung hatte, was es dort für Gemeinden gibt, war das Internet eine wahre Hilfe. Es führte mich zur allgemeinen evangelischen Kirche, wo ich leider auf der Webseite keine Gottesdienstzeiten finden konnte. Danach kam ich auf die Webseite der Französisch-Reformierten Gemeinde. Das klang mir interessant, und weil ich hier sehr wohl Zeiten finden konnte, beschloss ich, am kommenden Sonntag hinzugehen.

Schon an der Tür wurde ich herzlich willkommen geheißen. Noch vor Beginn des Gottesdienstes wurde ich gebeten, mich eben kurz vorzustellen, wie es in dieser Gemeinde üblich ist. Obwohl die Gemeinde gut 200 Mitglieder hat, kommen sonntags längst nicht so viele in die Gottesdienste, und ein fremdes Gesicht fällt also sofort auf. - Hoffentlich gehen bei uns Gäste in der großen Gruppe nicht unter, ein warmes Willkommenheißen in einer unbekannten Umgebung kann viel bedeuten.

 

Der Gottesdienst

Die Pastorin hat deutsch gesprochen, aber sonst hätte ich mich sicher wie in dem Hooghe Landt College gefühlt, der biblische Eingangsgruß ist hier nämlich exakt derselbe wie bei uns. Übrigens, es wird nicht jede Woche derselbe Gruß gesprochen. Abwechslung sorgt dafür, dass die Gedanken dicht beim Gruß bleiben, dass man über den Inhalt des Grußes nachdenkt, über das, was da nun eigentlich gesagt wird. Auch die Lieder, die während des Gottesdienstes gesungen werden, sollten jedem in Amersfoort- Noord bekannt vorkommen, auch wenn sie hier natürlich auf deutsch gesungen werden.

So, wie bei uns von einigen noch „stundenlang“ Kaffee getrunken wird, passiert das hier auch; nur nicht in der Kirche, sondern im Gemeindegarten. Beim Kaffeetrinken wird auch die Predigt nachbesprochen. Fragen können gestellt werden an die Pastorin und an andere. Das liefert schöne, spontane Diskussionen.

 

Das Studieren der Bibel, Kern des Glaubens

Predigten werden hier nicht nur nachbesprochen, sondern auch vorbesprochen. Jeden Mittwoch vor einem Gottesdienst (Gottesdienste sind hier an den ersten drei Sonntagen im Monat, sonst gibt es die Möglichkeit, eine Gemeinde in der Umgebung auszusuchen, um auch da mal reinzuschauen) trifft sich eine Gruppe (die für alle Gemeindeglieder offensteht), um das Thema des Sonntagsgottesdienstes zu bestimmen und gemeinsam mit der Pastorin Texte auszusuchen und zu besprechen. Fragen, die hier zu Tage kommen, tauchen oft auch wieder in der Predigt auf. Die Gemeinde sieht das als eine der wichtigsten Aufgaben: Zurück zur Bibel, miteinander lesen, was da wirklich steht, und das besprechen. Das führt zu einem Prozess, in dem Form und Gestaltung des Gemeindelebens immer in Diskussion stehen und Platz für Erneuerungen bleibt. Dadurch wird zu vermeiden versucht, daß Regelmaß und Tradition einen Vorhang bilden, hinter dem die Bibel verschwindet. Das Diskutieren von Traditionen ist so wichtig, nicht weil sie verkehrt sind (auch über die Traditionen ist es immer gut nachzudenken, und sie bildeten in der Zeit, in der sie entstanden sind, wahrscheinlich eine adäquate Anwendung der Bibel auf das Leben von damals), sondern weil die Gefahr besteht, dass sie einen Schleier vor das wichtigste christliche Buch, worauf unser Glauben basiert, bilden. Diesen Prozess der Erneuerungen finden wir auch hier in unserer eigenen Kirche. Er ist verbunden mit der Entstehungsgeschichte der Niederländischen, von Calvin geprägten Kirche und bestimmt einen Teil ihrer Identität (oder sollte vielleicht bestimmen müssen).

 

Eine offene Gemeinde

Der Zweck, wofür die Kirche einst gebaut wurde, wird von der Gemeinde noch immer verfolgt. Sie steht für andere offen. Ich bin hier herzlich in das Gemeindeleben aufgenommen worden und durfte am Mittwoch die Predigtvorbereitung mitbedenken, nachdem ich mit einigen Gemeindemitgliedern erst noch ein bisschen Jeux de Boules gespielt hatte.

Diese Verbundenheit mit Christen, die sich nichts aus irgendwelchen Grenzen machen, sehe ich als Zeichen von Gottes Größe. Weit weg und doch nahe.

 

Anekdote

Nachdruck auf das Wesentliche des Glaubens ist wichtig in der Französisch-Reformierten Gemeinde in Potsdam. Die Bibel und das Lesen aus ihr stehen im Mittelpunkt. Die Kirche ist frei von festen Kunstwerken wie zum Beispiel einem Kreuz. Das entlockt vielen Touristen regelmäßig die Bemerkung: „Hier gibt es ja gar keine Kunstwerke“. Eine Antwort darauf lautet dann: „Da müssen Sie am Sonntag noch einmal kommen, dann können Sie hier eine Menge Kunstwerke sehen (erstaunte Gesichter dann oft bei Menschen, die denken, die Kirche wird zum Sonntag umgebaut). Am Sonntag können Sie hier Kunstwerke Gottes sehen, Menschen wie Sie und ich. Alle Kunstwerke, die Menschen schaffen, sind dagegen doch nichts, oder?“

 

* für den Gemeindebrief seiner Gemeinde, übersetzt von Liebgard Althausen und für unseren Gemeindebrief leicht gekürzt von Hildegard Rugenstein

 

 

 

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Stand: 08. Februar 2017

 

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