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"Das Wort Gottes und die Grenzen des Erträglichen"

.... Thesen zur Disputation zum 300. Jahrestages des Edikt von Potsdam

 

Die Thesen wurden 1985 per Ormig auf gelblichem Papier vervielfältigt.Mittlerweile sind sie fast unlesbar verblaßt. Wir geben sie hier, besonders für neue Gemeindeglieder, wieder, weil sie auch etwas von der Art spiegeln, wie in jenen Tage gedacht wurde.

Es war die Zeit, als die Staatliche Bauaufsicht wg. Einsturzgefahr schon Jahre verbot, die Kirche zu betreten und als das Gemeindehaus eine Ruine war. Damals fragten wir herum, wer uns mal einen Gottesdienstraum zur Verfügung stellt. Die Landeskirche hatte uns schon abgeschrieben. Jedenfalls vergaß man, uns einzuladen, als der Festakt zum Jubiläum des Edikts in der Nikolaikirche hochkirchlich international zelebriert wurde.

 

Wir feierten das Edikt - ohne landeskirchliche Beachtung - in der Friedenskirche im Park Sanssouci. Die Disputation, deren Thesen wir hier wiedergeben, fand im Friedenssaal der Friedensgemeinde statt.

 

 

FRANZÖSISCH-REFORMIERTE GEMEINDE

 

POTSDAM

 

in der

EVANGELISCHEN KIRCHE in BERLIN-BRANDENBURG

 

 

"Denn gewiß darf man nicht zwischen Gottes und unserem Willen teilen und aus dem, was sein Wort vorschreibt, nur einige Stücke annehmen, andere aber willkürlich übergehen."  J.Calvin

 

DISPUTATION:  Das Wort Gottes und die Grenzen des Erträglichen

 

Sonnabend, 19. Okt.1985, 19 Uhr

Potsdam, Schopenhauerstr. 25 (Friedenssaal)

 

Vor 300 Jahren wurde allen Franzosen durch das "Edikt von Fontainbleau" (18.Okt.1685) verboten, ausschließlich nach dem Zeugnis der Bibel zu glauben. Harte Verfolgungen überschritten damals die grenzen des Erträglichen. Doch eine große Anzahl von Reformierten blieb glaubensfest. Viele dieser Unterdrückten verließen im Vertrauen auf Gott ihre Heimat. Es waren Leute mit beeindruckender Leidensbereitschaft. Sie waren fromm, fleißig, spartanisch, geradezu anmaßend schlicht und elitär, sie waren oft "kleine Leute" mit hohen Ansprüchen an sich selbst. Jetzt wollten sie im Ausland kampflos ihrem Glauben leben.

 

Wir verleugnen Gott immer wieder durch gottlose Bindungen, in Gedanken, Worten und Taten.

Wir verleugnen Gott durch unseren Kleinglauben und in unseren Lippenbekenntnissen; oft auch durch unsere kirchlichen Lebensformen und durch unser politisches Zeugnis; wir verleugnen Gott durch unseren Reichtum und indem wir unsere geringen Schwestern und Brüder übersehen.

Gott erträgt unser Leugnen in Jesus Christus und hebt es ohne unser Zutun auf. Er führte unsere Väter und Mütter durch eine schuldbeladene Geschichte, und er hat auch uns bis heute geschützt und bewahrt, damit wir ihn zukünftig nicht länger verleugnen, sondern zum "Salz der Erde" und "Licht der Welt" werden. So handelt Gott mit uns gerecht und barmherzig. Doch er läßt sich nicht verspotten. Neben seinem großen "Ja" zu allen Sündern steht sein "Nein" zu jeder Sünde.

 

Wir ertragen, was für Gott jenseits des Erträglichen liegt (menschliche Not, eine gefährdete Welt, falsche Lehre ...) aber wir halten für unerträglich, was Gott von uns will.

 

1.  In Predigt und Lehre hören wir oft einen gegensätzlichen Gebrauch des Wortes Gottes. Die theologische Wahrheitsfrage wird in unserer Gemeinde und Kirche zu selten gestellt. Falsche Lehre wird nicht mehr verworfen.

Wann müssen wir heute zur Ehre Gottes ein biblisch begründetes "Nein!" aussprechen, verteidigen und in seinen Konsequenzen ertragen ?

Wie können wir heute der Ehre Gottes dienen ?

 

2.  Jeder dritte Mensch auf der Erde hungert ! Viele sind schon zu schwach, um sich noch wehren zu können. Kein Staat bietet ihnen wirksame Hilfe oder Asyl. Bis in unsere persönliche Umgebung hinein gibt es schweres Leid - durch Krankheiten, Alkohol, Hartherzigkeit ...

Für Christen besteht aber das "Gesetzt der Liebe". Vor keinem Gericht ist es einklagbar. Aus der Bibel wissen wir jedoch, daß Gott zu erkennen, heißt:  sich das "Gesetzt der Liebe" freiwillig auferlegen und das eigene Leben zu ändern, auch, um das Leben anderer zu erleichtern. Aus der Bibel wissen wir auch, daß das u.a. unser Geld, unsere Karriere oder die persönliche und staatsbürgerliche Moral betreffen kann.

Warum ist das "Gesetz der Liebe" in der Welt so wirkungslos ?

Wodurch wird eine soziale/politische Lage so unerträglich, daß im Namen Gottes eine Revolution geführt und unterstützt werden muß ?

 

3.  Das Atomzeitalter begann furchterregend mit zwei amerikanischen Atombombenabwürfen. Diese bedrohlichen Vorboten einer neuen Zeit haben wir nicht ernst genug genommen. Keine Friedensbewegung konnte die Aufrüstung verhindern.

In jüngster Zeit wurde von reformierten Gemeinden ein bedingungsloses "Nein ohne jedes Ja" zu den Massenvernichtungsmitteln biblisch begründet. Doch schon zeichnet sich - durch die Militarisierung des Weltraums und durch die Einführung Raketen höchster Treffsicherheit - eine neue Generation der Militärtechnik ab. Die Verlagerung von Waffen in das Weltall und kleinere Sprengköpfe verringern die Gefährdung für uns nur scheinbar - denn das Kriegsrisiko steigt und die Friedensbewegung ermüdet.

 

"Wer aber aus Christi Mund gelehrt ist, daß auch die Haare auf unserem Haupt alle gezählt sind, der sieht den Grund tiefer und hält daran fest, daß alles Geschehen durch Gottes verborgenen Rat regiert wird!" J.Calvin, Institutio I.16.2

 

Was müssen/können wir heute für unsere Zukunft tun ?

 

Wen unterstützen wir und wen klagen wir an ?

 

 

Es muß viel Streit gestritten sein,

Es muß viel Leid gelitten sein,

Es müssen heilige Sitten sein,

Und viel Gebet gebetet sein,

Soll einst das Ende Frieden sein.

                                Camphuysen

 

 

 

- Nur zum innerkirchlichen Dienstgebrauch -

 

 

 

 

 

Im Himmel wie auf Erden – Glaubensvermittlung als evangelische Kirche im Sozialismus

Hans-Ulrich Schulz

 

 

 

   

 

Stand: 08. Februar 2017

 

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