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Johannes Calvin (1509 - 1564) - Zitate

.... um den teils Geschmähten selbst zu Wort kommen zu lassen

 

Die Auswahl der Zitate ist nicht systematisch wissenschaftlich, eben so wie sie uns gerade begegneten. Das Auswahlkriterium war ihr möglicher heutiger Gebrauchswert. Aussagen, die Calvin als Kind seiner Zeit ausweisen (er hatte keinen darüber hinausgehenden Anspruch) sind hier nicht unser Schwerpunkt

Aus Calvins Institutio die Absätze:

Erkenntnis Gottes und Selbsterkenntnis des Menschen sind voneinander abhängig

Über die Dankbarkeit für das irdische Leben

Calvin, auch ein Genießer - und zwar ein theologisch motivierter

  Vollständige deutsche Ausgabe der Institutio .

Einige Gedanken von Calvin:

Über Gott und Jesus Christus

Über die Bibel/Schrift

Zum Glauben

Zum Wissen

Zur Weisheit

Zum Leben

Zu Kirche/Gemeinde

Zum Gottesdienst

Zur Taufe

Zum Heiligen Mahl

Zur Vorsehung/Prädestination

Über Nachsicht

Über Arme, Reiche, Ausländer und Humanität

Über die Kunst

Über die Musik

Über das Geld

Zum sog. "Calvinismus"

Zu Calvins Charakter

Weitere Zitate

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Wer in die vollständige deutsche Ausgabe der Institutio sehen möchte, dem bietet das Internet auch diese Möglichkeit .

 

 

  Erkenntnis Gottes und Selbsterkenntnis des Menschen sind voneinander abhängig

 

Selbsterkenntnis der Weg zur Gotteserkenntnis

Der Gesamtinhalt der Lebensweisheit, die so zu heißen verdient, umfaßt zwei Stücke, nämlich die Erkenntnis Gottes und die Selbsterkenntnis. Beide sind derartig miteinander verwachsen, daß man kaum auseinander halten kann, auf welcher Seite der Grund, und auf welcher die Folge ist. Denn erstlich kann niemand sich selbst ins Auge fassen, ohne zugleich einen Blick auf Gott zu werfen, in welchem wir leben, weben und sind (Apg.17, 28); denn alles, was wir haben, stammt von ihm und ruht auf ihm allein. Die Güter, welche wie Tropfen vom Himmel auf uns fallen, leiten uns an, nach der Quelle zu fragen. Anderseits werden wir die unermeßliche Fülle des Reichtums, den Gott besitzt, erst zu schätzen wissen, wenn wir unsere Dürftigkeit anschauen. Namentlich der jämmerliche Zustand, in den uns der Fall der ersten Menschen gestürzt hat, zwingt uns, die Augen zum Himmel emporzuheben, nicht bloß um hungrig und bedürftig von dort zu erbitten, was uns fehlt, sondern um in Furcht und Schrecken die gebührende Demut zu lernen. Weil der Mensch eine Welt von Elend in sich birgt, so müßte schon das Bewußtsein des eigenen unglücklichen Zustandes einen jeglichen antreiben, wenigstens eine geringe Erkenntnis von Welt zu fassen. So erkennen wir aus der Empfindung unserer Unwissenheit, Eitelkeit, Bedürftigkeit, Schwachheit, Sünde und Verkehrtheit, daß allein Gott das wahre Licht der Weisheit, zuverlässige Kraft, den unausschöpflichen Quell aller Güter und reine Gerechtigkeit in sich birgt. Unser Übel weckt uns auf, die Güter Gottes anzuschauen, und wir werden nicht eher ernstlich nach ihm fragen, als wir nicht anfangen, ein Mißfallen an uns selbst zu haben. Denn welcher Mensch gibt sich nicht gern mit sich und seinen angeblichen Tugenden zufrieden, solange er sich selbst und sein Elend nicht kennt?

So leitet uns also die Selbsterkenntnis an, nicht nur nach Gott zu fragen, sondern ihn auch zu finden.

 

Gotteserkenntnis der Weg zur Selbsterkenntnis

Anderseits steht fest, daß der Mensch niemals eine reine Selbsterkenntnis gewinnen kann, wenn er nicht zuerst dem Herrn ins Angesicht schaut, um von dort aus den Blick auf sich selbst zurückzulenken. Denn in unserm angeborenen Stolz halten wir uns stets für gerecht, vollkommen, klug und weise, wenn wir nicht durch offenbare Beweise uns von unserer Ungerechtigkeit, Befleckung, Torheit und Unreinigkeit überzeugen müssen. Wir werden aber davon nicht überzeugt, wenn wir nur auf uns selbst schauen und nicht auch auf Gott, welcher der allein zulässige Maßstab unserer Selbstbeurteilung ist. Denn weil wir alle von Natur zur Heuchelei geneigt sind, geben wir uns mit jedem hohlen Schein von Gerechtigkeit schon reichlich zufrieden. Und weil wir um und um mit Schmutz besudelt sind, halten wir schon für rein, was nur vielleicht etwas weniger schmutzig ist. So hält das Auge, das an lauter schwarze Farbe gewöhnt ist, vielleicht schon ein schmutziges Grau für weiß. Überhaupt mögen wir aus der Erfahrung unseres leiblichen Auges ableiten, wie schwer wir uns im Urteil über unsre innere Tüchtigkeit täuschen. Denn solange wir am hellen Tage nur die Erde anschauen mit allem, was uns umgibt, können wir unsere Sehkraft für scharf und stark halten: sobald wir aber mit geöffnetem Auge in die Sonne blicken wollen, wird die Sehkraft, die auf Erden völlig ausreichte, derart geblendet, daß wir gar nichts mehr wahrnehmen; was wir Sehschärfe nennen, erweist sich als Stumpfheit. Genauso ergeht es uns bei der Betrachtung unserer geistlichen Gaben. So lange wir über das Diesseits nicht hinausblicken, schmeicheln wir uns in der angenehmsten Weise mit unserer Gerechtigkeit, Weisheit und Kraft, und es fehlt nicht viel, so hielten wir uns für Halbgötter. Fangen wir aber an, unsere Gedanken zu Gott emporzuheben, bedenken wir, wie er beschaffen ist, und wie wir nach seiner vollkommenen Gerechtigkeit, Weisheit und Kraft gebildet sein sollten, so wird uns bald der Schmutz unserer Ungerechtigkeit anstarren, den wir zuvor für Gerechtigkeit hielten. Was wir als herrliche Weisheit bestaunten, wird uns als äußerste Torheit angrinsen; was den Schein der Kraft an sich trug, wird als jämmerlichstes Unvermögen offenbar werden. So wenig kann vor Gottes Reinheit bestehen, was das Vollkommenste an uns zu sein schien.

 

 

 

  Über die Dankbarkeit für das irdische Leben

 

Die Geringschätzung des gegenwärtigen Lebens, an welche die Gläubigen sich gewöhnen sollen, darf aber nicht zum Hass und zur Undankbarkeit ausarten. Dieses Leben ist trotz allen Elendes, das es erfüllt, als eine nicht zu verachtende Segnung Gottes zu schätzen. Nehmen wir es nicht als eine Wohltat aus Gottes Händen, so machen wir uns großen Undanks schuldig. Insbesondere den Gläubigen muß es ein Zeugnis göttlichen Wohlwollens sein; denn es ist in seinem ganzen Verlauf dazu bestimmt, ihr Heil zu fördern. Bevor uns Gott das Erbe ewiger Herrlichkeit unverhüllt darbietet, will er sich uns durch geringere Beweise als Vater zeigen. Das sind die guten Gaben, die wir täglich empfangen. Enthüllt uns nun dies Leben Gottes Güte, so dürfen wir es nicht verabscheuen, als enthielte es keinen Funken Gutes. Nicht bloß zahlreiche Zeugnisse der Schrift, sondern die Natur selbst leitet uns an, dem Herrn dafür zu danken, daß er uns in das Licht dieses Lebens gestellt, dass er allerlei zum Gebrauch in unsere Hand gelegt hat, daß er unser Dasein auf alle Weise schützt und erhält. Die Gründe zum Danken mehren sich noch, wenn wir bedenken, daß wir in diesem Leben zur Herrlichkeit des Himmelreichs zubereitet werden sollen. Gott hat es so geordnet, daß erst auf Erden kämpfen muss, wer dereinst im Himmel gekrönt werden soll: niemand darf triumphieren, der nicht die Gefahren des Krieges bestanden und den Sieg gewonnen hat. Des weiteren fangen wir in diesem Leben an, in mancherlei Wohltaten die Süßigkeit der Güte Gottes zu schmecken; dadurch soll unsre Hoffnung und Sehnsucht auf ihre völlige Offenbarung gespannt werden. Darum stellen wir zunächst fest, daß unser irdisches Leben eine Gabe der göttlichen Gnade ist, die uns zu Dank verpflichtet. Dann erst tun wir den weiteren Schritt, den jämmerlichen Zustand dieses Lebens ins Auge zu fassen: dadurch befreien wir uns von einer gar zu gierigen Liebe zu demselben, zu welcher unsere Natur stark neigt.

 

 

 

  Calvin, auch ein Genießer - und zwar ein theologisch motivierter

 

Der Gebrauch der Gaben Gottes führt nicht vom rechten Weg

Der Hauptgrundsatz soll dabei folgender sein: der Gebrauch der Gaben Gottes geht nicht vom rechten Wege ab, wenn er sich auf den Zweck ausrichtet, zu dem uns der Geber selbst diese Gaben erschaffen und bestimmt hat. Er hat sie nämlich zu unserem Besten erschaffen und nicht zu unserem Verderben. Deshalb wird keiner den rechten Weg besser innehalten als der, welcher diesen Zweck fleißig im Auge behält. Wenn wir nun also bedenken, zu welchem Zweck er die Nahrungsmittel geschaffen hat, so werden wir finden, daß er damit nicht bloß für unsere Notdurft sorgen wollte, sondern auch für unser Ergötzen und unsere Freude! So hatte er bei unseren Kleidern außer der Notdurft auch anmutiges Aussehen und Anständigkeit als Zweck im Auge. Kräuter, Bäume und Früchte sollen uns nicht nur mancherlei Nutzen bringen, sondern sie sollen auch freundlich anzusehen sein und seinen Wohlgeruch haben. Wäre das nicht wahr, so könnte es der Prophet nicht zu den Wohltaten Gottes rechnen, daß „der Wein des Menschen Herz erfreut“ und daß „seine Gestalt schön werde vom Öl“ (Ps.104,15). Dann könnte uns die Schrift auch nicht immer wieder zum Lobpreis seiner Güte daran erinnern, daß er selbst solches alles den Menschen gegeben hat! Auch die natürlichen Gaben der Dinge selbst zeigen uns ausreichend, wozu und wieweit man sie genießen darf. Hat doch der Herr die Blumen mit solcher Lieblichkeit geziert, daß sie sich unseren Augen ganz von selber aufdrängt, hat er ihnen doch so süßen Duft verliehen, daß unser Geruchssinn davon erfaßt wird - wie sollte es dann ein Verbrechen sein, wenn solche Schönheit unser Auge, solcher liebliche Duft unsere Nase berührte? Wie, hat er denn nicht die Farben so unterschieden, daß die eine anmutiger ist als die andere? Wie, hat er nicht Gold und Silber, Elfenbein und Marmorstein solche Schönheit geschenkt, daß sie dadurch vor anderen Metallen und Steinen kostbar werden? Hat er nicht überhaupt viele Dinge über den notwendigen Gebrauch hinaus kostbar für uns gemacht?  Institutio III 10,2

 

Es ist nirgendwo untersagt, zu lachen oder ...

Es ist nirgendwo untersagt, zu lachen oder sich zu sättigen oder neue Besitztümer mit dem alten, erhabenen zu verbinden oder zum Klang der Musik sich zu erfreuen oder Wein zu trinken.  Institutio III, 19,9

 

 

 

  Über Gott und Jesus Christus

 

Was Gott von uns will

Gott will, daß uns die Majestät seines Namens heilig sei!      Institutio II, 8,22

 

Jesus kein zweiter Mose

Leute, die das nicht verstanden haben, haben aus Christus einen zweiten Mose gemacht, der das "Evangelische Gesetz" gegeben hätte, das den Mangel des mosaischen Gesetzes ausgefüllt hätte. Daher kommt denn auch der bekannte Satz von der Vollkommenheit des "Evangelischen Gesetzes", das weit über das alte Gesetz emporrage - ein in vieler Beziehung sehr gefährlicher Satz!         Institutio II, 8,7

 

Versöhnung

Wir können uns Gott nicht anders als gegen uns zornig vorstellen. Der dazwischengetretene Mittler [Jesus Christus] bewirkt, daß wir uns als versöhnt ansehen dürfen. Kommentar zu 2.Korinther 5,19

 

Gott verhilft zur Erkenntnis seiner selbst

Wenn der Mensch Hilfe sucht, um seiner Armut abzuhelfen, so muß er von sich selbst wegsehen und diese Hilfe von anderswoher erwarten. Das hat seinen Grund darin, daß Gott sich ohne Veranlassung aus freien Stücken in Christus darbringt, in welchem er für unser Elend die ganze Glückseligkeit, für unsere Armut seinen Reichtum anbietet, in welchem er uns die himmlischen Schätze auftut, damit unser ganzer Glaube seinen geliebten Sohn schaue, von ihm unsere ganze Erwartung abhänge, in ihm unsere ganze Hoffnung sich gründe und ruhe. Das ist freilich eine geheimnisvolle und verborgene Philosophie, die durch irgendwelche Schlußfolgerungen nicht erlernt werden kann, die aber jene erlernen, denen Gott selber die Augen öffnet, damit sie in seinem Lichte das Licht sehen.

 

Gott ist es unmöglich, nicht barmherzig zu sein

Die Güte Gottes ist untrennbar verbunden mit seinem Wesen, es für ihn unmöglich zu machen, nicht barmherzig zu sein.  Kommentar zu Psalm 77

 

Kriterium von Gotteserkenntnis

Wo Gott erkannt wird, da wird auch Menschlichkeit gepflegt.

 

Von Gott milde gerufen

Wenn unsere Seele von der ganzen Schärfe des Gesetzes befreit ist und wenn sie dann hört, wie sie von Gott in väterlicher Milde gerufen wird, dann wird sie seinem Rufe fröhlich und in großer Freudigkeit antworten und seiner Führung folgen.      Institutio III,19,5

 

Jesus Christus glauben

Aus ganzem Herzen glauben, heißt nicht vollkommen Christo anhangen, sondern nur ihn aufrichtig erfassen; nicht satt sein in ihm, sondern mit brennendem Verlangen nach ihm hungern, dürsten und seufzen.

nach CD 1, 104 /Barth

 

Warum es die Welt noch gibt

Wenn man fragt, was denn Gott veranlaßt hat, das alles einmal zu schaffen und heute noch zu erhalten, so ist der Grund dafür einzig in seiner Güte zu finden.      Institutio I, 5,6

 

 

 

   Über die Bibel/Schrift

 

Gott nur im Wort suchen

Wir sollen uns nicht in den Sinn kommen lassen, Gott irgendwo anders zu suchen als nur in seinem heiligen Wort oder über ihn etwas zu denken als allein unter Leitung seines Wortes oder etwas zu reden als allein das, was aus seinem Wort kommt.      Institutio I, 13,21

 

Vom Willen Gottes

Wenn vom Willen Gottes gesprochen wird, dann geht es nicht um geheime Dinge, sondern das wir den Willen erkennen, den er uns in seiner Schrift offenbart hat.

 

Wo Gott finden, wie von ihm denken und sprechen ?

Wir sollen uns nicht in den Sinn kommen lassen, Gott irgendwo anders zu suchen als nur in seinem heiligen Wort oder über ihn etwas zu denken als allein unter Leitung seines Wortes oder etwas zu reden als allein das, was aus seinem Wort kommt.                                                                                                Institutio I 13,21)

 

Die Schrift sieht auf die Sache

Die Schrift hält sich nicht bei den Worten auf, sie sieht vielmehr auf die Sache, und darauf müssen auch wir halten.

 

Wie wir zum Ziel gelangen

Weichen wir vom Worte Gottes ab, so mögen wir, wie gesagt, immerhin mit äußerster Schnelligkeit vorwärtsstreben, wir werden aber nie zum Ziel gelangen, weil wir eben auf einem Abweg sind!  Institutio I, 6,3

 

Die Schrift als Brille

Denn so wie alte Leute, Schwachsichtige und Augenkranke, wenn man ihnen auch den schönsten Band vor die Augen hält, zwar merken, das da etwas geschrieben steht, aber kaum zwei Worte zusammensetzen können, dann aber mit Hilfe einer Brille deutlich zu lesen anfangen - so bringt die Schrift unser sonst so verworrenes Wissen um Gott in die richtige Ordnung, zerstreut das Dunkel und zeigt uns deutlich den wahren Gott. Das ist gewißlich ein einzigartiges Geschenk Gottes: er braucht zur Unterweisung seiner Kirche nicht bloß stumme Lehrmeister, sondern er zeigt sich selbst als den, der verehrt werden will!

Institutio I,6

 

Verworrenes Wissen um Gott ordnen

Die Schrift bringt unser sonst so verworrenes Wissen um Gott in die richtige Ordnung, zerstreut das Dunkel und zeigt uns deutlich den wahren Gott. Das ist gewißlich ein einzigartiges Geschenk Gottes: Er braucht zur Unterweisung seiner Kirche nicht bloß stumme Lehrmeister, sondern öffnet selbst seinen heiligen Mund.

Institutio I,6,1

 

Heilige Schrift und Kirche

Bei vielen gewinnt der äußerst verhängnisvolle Irrtum Oberhand, die Heilige Schrift habe so viel Wert, wie ihr von den Beifallsäußerungen der Kirche zugestanden werde. Und so würde wahrlich die ewige und unverletzliche Wahrheit [erst] durch den Willen der Menschen unterstützt werden.                   Institutio I 2,1

 

Einzigartiges Geschenk

Das ist gewiß ein einzigartiges Geschenk Gottes: er braucht zur Unterweisung seiner Kirche nicht bloß stumme Lehrmeister, sondern öffnet selbst seinen heiligen Mund! Und dabei gibt er nicht bloß die Anweisung, es sei irgendein Gott zu verehren, sondern er zeigt sich selbst als den, der verehrt werden will! Er lehrt seine Auserwählten nicht nur, auf Gott zu schauen, nein, er tritt ihnen selbst gegenüber als der, auf den sie schauen sollen.                                                                                                                  Institutio I 6,1

 

Wort und Werk

Ich behaupte:  Man muß erst zum Wort kommen, in dem uns Gott treffend und lebendig aus seinen Werken beschrieben wird. Denn die Werke selbst werden nicht aus unserem verkehrten Urteilsvermögen, sondern nach dem Maß der ewigen Wahrheit eingeschätzt.                                                                    Institutio I 6,3

 

Von Gott durch Menschen zu uns

Daß die Schrift von Gott kommt, das glauben wir, weil die Kraft des Geistes uns erleuchtet, nicht aber aufgrund des eigenen Urteils oder desjenigen anderer Leute. ...So halten wir dafür, daß die Schrift zwar durch den Dienst von Menschen, aber tatsächlich doch aus Gottes eigenem Mund zu uns kommt.      Institutio I 7,5

 

Alter und Neuer Bund nicht zu unterscheiden

Der Bund mit den Vätern ist im Wesen und in der Sache von dem unsrigen nicht zu unterscheiden, sondern ein und dasselbe. Verschieden ist dagegen die äußere Darbietung.                                         Institutio II, 10,2

 

Das Evangelium tritt nicht an die Stelle des Gesetzes

Aber das Evangelium tritt nicht in der Weise an die Stelle des Gesetzes, daß es etwa einen anderen Weg zum Heil eröffnete, sondern es sollte vielmehr die Verheißungen des Gesetzes beglaubigen und in Wirksamkeit setzen.                                                                                                                                      Institutio II, 9,4

 

Ungläubige und die Schrift

Töricht handelt aber, wer den Ungläubigen beweisen will, die Schrift sei Gottes Wort. Denn das kann ohne den Glauben nicht erkannt werden.                                                                                          Institutio I 8,13

 

 

 

  Zum Glauben

 

Glaube ist ...

Der Glaube ist die aus dem Worte Gottes geschöpfte Erkenntnis des Willens Gottes uns gegenüber. Seine Grundlage aber ist eine feste Überzeugung von Gottes Wahrheit.     Institutio III, 2,6

 

Glaube ruht nicht auf Unwissenheit, sondern auf Erkenntnis

Der Glaube ruht nicht auf Unwissenheit, sondern auf Erkenntnis; und zwar handelt es sich dabei nicht bloß um die Erkenntnis Gottes, sondern auch um die des göttlichen Willens. Wir erlangen nämlich das Heil nicht dadurch, daß wir bereit sind, alles, was die Kirche uns zu glauben vorschreibt, als wahr anzunehmen, oder ihr die Aufgabe zuschieben, zu forschen und kennenzulernen, sondern nur dann, wenn wir erkennen, daß Gott um der Versöhnung willen, die durch Christus geschehen ist, unser gnädiger Vater ist, und daß Christus uns zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zum Leben gegeben ist. Durch diese Erkenntnis, sage ich, und nicht durch Unterwerfung unseres Sinnes, erlangen wir den Zutritt zum Himmelreich.                 Institutio III, 2,2

 

Glaube und Heiliger Geist

Das ist eine Überzeugung, die der Gründe nicht bedarf, das ist ein Wissen, das seinen Grund in sich selber trägt, ja, auf dem das Herz sicherer und beständiger ruht als auf irgendwelchen Gründen; das ist ein Empfinden, das nur aus himmlischer Offenbarung entstehen kann. Ich rede von dem, was jeder einzelne Gläubige bei sich selber erfährt – freilich reichen meine Worte bei weitem nicht hin, um die Sache recht zu beschreiben! [...] Für jetzt wollen wir uns dies merken, daß nur der Glaube der echte ist, den der Heilige Geist in unseren Herzen versiegelt.  Institutio

 

Fesseln des irdischen Körpers

Wie ein im Kerker ein Gefangener durch ein enges Fenster die Sonnenstrahlen nur schräg und zur Hälfte hineinleuchten sieht, des Anblicks des freien Sonnenlichtes beraubt; so werden wir, gebunden durch die Fesseln des irdischen Körpers, allenthalben von viel Dunkelheit beschattet, empfangen aber dennoch durch Gottes Licht, das, um seine Gnade sichtbar werden zu lassen, nur ganz winzig leuchtet, doch so viel Helligkeit, daß es zu einer sicheren Gewißheit genügt.

 

Glauben - Freundlichkeit Gottes

Die richtige Definition des Glaubens wird darin bestehen, daß wir sagen, er sei die feste und sichere Erkenntnis der göttlichen Freundlichkeit an uns, welche in der Wahrheit von der freien, unverdienten Verheißung in Christus gegründet ist und welche durch den Heiligen Geist unserem Sinn offenbart und unserem Herzen eingeprägt wird.

 

Verheißungen innerlich ergreifen

Vornehmlich geht es beim Glauben darum, daß wir die Verheißungen, die uns der Herr zuteil werden läßt, nicht etwa bloß außer uns für wahr halten, in uns aber gar nicht, sondern daß wir sie vielmehr innerlich ergreifen und uns so zu eigen machen.    Institutio III, 2,16

 

Wir sind nie richtig vorbereitet für Gott

Die Gewalt des Windes hat den Effekt, sie in Furcht zu versetzen. Denn wir sind niemals richtig vorbereitet, die Gnade Gottes zu empfangen, bevor nicht die eitle Zuversicht des Fleisches überwältigt ist.

Denn da es der Glaube ist, durch den wir Zugang haben zu Ihm, so sind es Demut und Furcht, die Ihm den Zugang ermöglichen zu uns. Er will nichts zu tun haben mit stolzen und fahrlässigen Menschen, die sich selbst gefallen. Predigt zu Apostelgeschichte.2

 

Berufung und Glaube nicht ohne Beharrung

Unsere Erfahrung lehrt uns genugsam, wie geringen Wert Berufung und Glauben haben, wenn nicht die Beharrung hinzutritt (nisi accedat perseverantia) die nicht allen zuteil wird. Aber von diesen Ängsten hat Christus uns frei gemacht. Nach J.Moltmann Prädestination und Präservanz, 1961

 

Leben und Tod

Wie wir mitten im Leben vom Tode umfangen sind, so müßt ihr jetzt auch ganz fest überzeugt sein, daß wir mitten im Tode vom Leben umfangen sind.

 

 

 

   Zur Weisheit

 

Die Mitte menschlicher Erkenntnis

Die ganze Summe unserer Weisheit, soweit man sie als wahr und fest ansehen darf, besteht in zwei Stücken, nämlich der Gotteserkenntnis und der Erkenntnis unserer selbst. Institutio I 1,1

 

Begrenzte Erkenntnis

Wer meint nicht, die Menschen würden eher von der blinden Planlosigkeit des Glücks umhergewirbelt und hin und her geschoben als von der Vorsehung Gottes geleitet ? ...

Doch darin sind wir einander sehr ähnlich, daß wir uns alle von dem einen wahren Gott ab- und seltsamen Tändeleien zuwenden. Institutio I, 5,11

 

Keine theologische Zensur

Diese Bescheidenheit so heiliger Männer soll uns warnen, eine Art theologischer Zensur zu üben und sogleich alle die strengstens zu richten, die nicht auf die von uns verwendeten Begriffe schwören wollen! Nur sollen sie das nicht aus Übermut, Frechheit oder boshafter Schalkheit tun!    Institutio I, 13,5

 

 

 

   Zum Wissen

 

Mensch, Natur, Schöpfer

Nur der Mensch versteht, daß die Natur ihren Schöpfer preist – Predigt zu Ps148 nach E.Mühlhaupt Johannes Calvin Eine Auswahl seiner Predigten 1934 S.42

 

Höchste Vollkommenheit

Wenn die Menschen tiefsinnig disputieren und untersucht haben, was wohl das Beste sei – das ist sicher: sie werden stets in der Wirrnis bleiben und nicht finden, daß es keine höhere Vollkommenheit gebe als die Ordnung, die Gott in seiner Güte aufgerichtet hat  Predigt zu 1.Kollosser 11

 

Kunst, Wissenschaft und Gott

Alle Künste und Wissenschaften kommen von Gott her, also müssen sie göttlicher Eingebung zugeschrieben werden. Predigt zu Galater 6 Nach D.Scheuner Johannes Calvin, Gottes sind wir, 1943 S.21

 

Wissenschaft und Glaube

Wenn ihr etwas über die Sterne wissen wollt, schaut zum Himmel auf und nicht in die Bibel.

 

Naturwissenschaftlicher Irrweg

Das ist nicht Weisheit sondern tiefste Verwirrung, wenn uns die Geheimnisse der Natur nicht zu Gott führen. Predigt zu Hiob37

 

Gott nicht durch unser Vorstellungsvermögen begrenen

Welche Unehre tun wir Gott an, wenn wir ihm nur so viel zutrauen, wie unsere Vorstellungen fassen! Auslegung 1. Mose 22,7

 

Grenzen des Denkens

Es ist ein ungeheuerlicher Wahnsinn der Menschen, wenn sie darauf aus sind, dem kleinen Horizont ihres Einsichtsvermögens zu unterwerfen, was unmeßbar ist. Institutio III 22,11

 

Menschen ist eingepflanzt, nach der Wahrheit zu forschen

Es würde nun nicht nur dem Worte Gottes, sondern auch der allgemeinen Erfahrung zuwiderlaufen, wenn man den Verstand in der Weise zu dauernder Blindheit verdammt sähe, daß ihm keinerlei Erkenntnis irgendwelcher Dinge verbliebe. Denn wir sehen, daß dem Menschengeist irgendein Verlangen eingepflanzt ist, nach der Wahrheit zu forschen, und solches Trachten nach der Wahrheit wäre unmöglich, wenn er nicht schon zuvor eine Ahnung von ihr hätte.          Institutio II, 2,12

 

Gott im ganzen Bau der Welt offenbar

Gott hat sich derart im ganzen Bau der Welt offenbart und tut es noch heute, daß die Menschen ihre Augen nicht aufmachen können, ohne ihn notwendig zu erblicken.     Institutio I, 5,1

 

Überall zumindest ein Fünklein von Gottes Herrlichkeit

Wohin man die Augen blicken läßt, es ist ringsum kein Teilchen der Welt, in dem nicht zumindest irgendwelche Fünklein von Gottes Herrlichkeit zu sehen wären.    Institutio I, 5,1

 

 

 

   Zu Leben

 

Was macht Sinn

1. Was ist der Sinn des menschlichen Lebens ?

Die Erkenntnis Gottes unseres Schöpfers.

2. Aus welchem Grund sagst du dies ?

Er hat uns dazu geschaffen und in diese Welt gestellt, um in uns verherrlicht zu werden. So ist es nichts als recht und billig, daß unser Leben, dessen Ursprung er ist, wiederum seiner Verherrlichung diene.

3. Was ist nun das höchste Gut des Menschen ?

Genau dasselbe.

4. Warum hältst du gerade die Gotteserkenntnis für das höchste Gut ?

Wenn sie uns fehlt, sind wir trauriger dran als irgendein Tier.

Erste Fragen und Antwort aus Calvins Genfer Katechismus von 1545

Wahre Selbsterkenntnis

Kein Mensch vermag sich selbst wahrhaft zu erkennen, wenn er nicht zuvor Gottes Angesicht geschaut hat und daraufhin von dieser Schau aus dann sich selbst ansieht.   Institutio I 1,1f.

 

Jeder will Herr sein

Wenn die Menschen nur das bedächten, was die Natur ihnen zeigt, so wäre unsere Lage sicherlich schon so glücklich, wie man es nur wünschen könnte. Denn Gott hat uns alle nach seinem Bild geschaffen, do daß ein jeder an seinem Nächsten mit Staunen merken muß:  wir sind ein Fleisch. Wie verschieden Gesichter und Geister auch sein mögen, diese von Gott bei uns gestiftete Einheit können wir nicht auslöschen oder aufheben. Bliebe uns dies ins Gedächtnis geprägt, ein jeder lebte friedsam mit seinem Nächsten, wir wären wie in einem Paradies auf Erden. Aber wir sehen, wie jeder ganz im Gegenteil seinem Profit nachgeht und sein eigenes Fortkommen sucht, jeder will Herr sein.                                              Predigt zu Matthäus 5,5-7

 

Auf dem Wege des Herrn beständig etwas weiterkommen

So sollen wir denn alle nach dem Maß unserer kleinen Kraft unseren Gang tun und den angefangenen Weg fortsetzen! Niemandes Weg wird so unglücklich sein, daß er nicht alle Tage ein Stücklein hinter sich bringen könnte. Wir wollen aber nicht aufhören, danach zu streben, daß wir auf dem Wege des Herrn beständig etwas weiterkommen, wollen auch bei der Geringfügigkeit des Fortschrittes nicht den Mut sinken lassen. Mag auch das Weiterschreiten unseren Wünschen nicht entsprechen, so ist doch die Mühe nicht verloren, wenn nur der heutige Tag über den gestrigen Sieger bleibt.      Institutio III, 5,6

 

Evangelische Vollkommenheit

Indessen verlange ich nicht, daß die Lebensführung eines Christenmenschen nichts als das vollkommene Evangelium atme - obwohl das zu wünschen ist und wir uns notwendig darum mühen müssen. Ich stelle die Forderung nach der "evangelischen Vollkommenheit" nicht mit solcher Härte, daß ich einen Menschen, der sie noch nicht erreicht hat, deshalb nicht als Christen anerkennen würde. Denn in solchem Falle würden ja alle Menschen von der Kirche ausgeschlossen.    Institutio III, 6,5

 

Dankbarkeit nur aus einem freudigen, fröhlichen Herzen

Das Lob des Herrn und die Dankbarkeit gegen ihn kann nur aus einem freudigen, fröhlichen Herzen kommen.     Institutio III, 8,11

 

Nahrung, Kleidung und Natur zu unserer Freude

Der Gebrauch der Gaben Gottes geht nicht vom rechten Wege ab, wenn er sich auf den Zweck ausrichtet, zu dem uns der Geber selbst diese Gaben erschaffen und bestimmt hat. Er hat sie nämlich zu unserem Besten erschaffen und nicht zu unserem Verderben. Deshalb wird keiner den rechten Weg besser innehalten als der, welcher diesen Zweck fleißig im Auge behält. Wenn wir nun also bedenken, zu welchem Zweck er die Nahrungsmittel geschaffen hat, so werden wir finden, dass er damit nicht bloß für unsere Notdurft sorgen wollte, sondern auch für unser Ergötzen und unsere Freude! So hatte er bei unseren Kleidern außer der Notdurft auch anmutiges Aussehen und Anständigkeit als Zweck im Auge. Kräuter, Bäume und Früchte sollen uns nicht nur mancherlei Nutzen bringen, sondern sie sollen auch freundlich anzusehen sein und feinen Wohlgeruch haben. Wäre das nicht wahr, so könnte es der Prophet nicht zu den Wohltaten Gottes rechnen, dass der Wein des Menschen Herz erfreut und dass seine Gestalt schön werde vom Öl Ps. 104,15). Dann könnte uns die Schrift auch nicht immer wieder zum Lobpreis seiner Güte daran erinnern, dass er selbst solches alles den Menschen gegeben hat! Auch die natürlichen Gaben der Dinge selbst zeigen uns ausreichend, wozu und wieweit man sie genießen darf. Hat doch der Herr die Blumen mit solcher Lieblichkeit geziert, dass sie sich unseren Augen ganz von selber aufdrängt, hat er ihnen doch so süßen Duft verliehen, dass unser Geruchssinn davon erfasst wird wie sollte es dann ein Verbrechen sein, wenn solche Schönheit unser Auge, solcher liebliche Duft unsere Nase berührte?

Wie, hat er denn nicht die Farben so unterschieden, dass die eine anmutiger ist als die andere?

Wie, hat er nicht Gold und Silber, Elfenbein und Marmorstein solche Schönheit geschenkt, dass sie dadurch vor anderen Metallen und Steinen kostbar werden?

Hat er nicht überhaupt viele Dinge über den notwendigen Gebrauch hinaus kostbar für uns gemacht?

    Institutio III, 10,2

 

Freiheit in den "Mitteldingen"

Wenn einer bei einigermaßen wohlschmeckendem Wein bereits Bedenken hat, so wird er bald nicht einmal gemeinen Krätzer mit gutem Frieden seines Gewissens trinken können, und am Ende wird er nicht einmal mehr wagen, Wasser anzurühren, das besser und reiner ist als alles anderes. Kurz, er wird schließlich dahin kommen, daß er es für Sünde hält, über einen quer im Wasser liegenden Grashalm zu gehen - wie man so sagt. ... Wer sich in solche Zweifel verwickelt hat, der mag sich wenden, wohin er will: er sieht überall einen unmittelbaren Anstoß für sein Gewissen.   Institutio III,19,7

 

Was tun ?

Solange nicht geschieht, was wir wollen, müssen wir wollen, was wir können.      Brief an Farel am 30.9.1541

 

Gottes Gaben ohne Gewissensbedenken gebrauchen

Wir sollen Gottes Gaben ohne Gewissensbedenken, ohne Verwirrung unseres Herzens gebrauchen, und zwar zu dem Gebrauch, zu dem er sie uns geschenkt hat. In solcher Zuversicht hat unsere Seele Frieden mit ihm und erkennt zugleich seine Freigebigkeit gegen uns.   Institutio III,19,8

 

Vom rechten Maß der Dinge

Eine treffliche Unterscheidung unter den gleichgültigen Dingen finden wir in dem Wort des Paulus: Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist ihr Sinn sowohl als ihr Gewissen (Tit.1,15). Warum werden denn die Reichen verdammt, als die ihren Lohn dahin haben (Luk.6,25), die da liegen auf Elfenbeinlagern (Am.6,4), die da einen Acker zum anderen bringen (Jes.5,8) und haben Harfen, Psalter, Pauken ... und Wein (Jes.5,12) ? Ganz gewiß sind doch Elfenbein, Gold und Reichtümer gute Geschöpfe Gottes, die dem Gebrauch der Menschen überlassen, ja, von Gottes Vorsehung dazu bestimmt sind. Auch ist es doch nirgendwo untersagt, zu lachen oder sich zu sättigen, oder neue Besitztümer mit den alten, ererbten zu verbinden oder sich am Klang der Musik zu erfreuen oder Wein zu trinken ! Das ist gewiß wahr; aber wenn der Mensch

 

Selbstverschuldetes Unglück

Wir müssen stets darauf achten, daß wir nicht selbst unser Unglück verschulden und es fast wissentlich aufsuchen, indem wir die Hilfsmittel verschmähen, die Gott uns anbietet. 

Brief an eine unbekannte Französin, 1546

 

Zum Frieden

Es wäre doch wunderlich, wenn Christus, den wir als unseren Frieden preisen, der aller Fehd' ein Ende gemacht und Gott im Himmel uns gnädig gestimmt hat, nicht auch das bewirkte, daß wir auf Erden brüderlich Frieden halten.

an Französische Gemeinde Frankfurt/M., 5.1.1556; in: Eine Auswahl von Briefen Calvins, R.Schwarz Bd.II, S.129

 

 

 

   Zu Kirche/Gemeinde

 

Die Kirche zur Zeit tot oder doch krank

Obwohl die Kirche zur Zeit kaum zu unterscheiden ist von einem toten oder doch kranken Mann, so darf man doch nicht verzweifeln:  denn auf einmal richtet der Herr die Seinigen auf, wie wenn er Tote aus dem Grab erweckt. Das ist wohl zu beachten. Denn wenn die Kirche nicht leuchtet, halten wir sie schnell für erloschen und erledigt. Aber so wird die Kirche in der Welt erhalten, daß sie auf einmal vom Tode aufsteht, ja, am Ende geschieht diese ihre Erhaltung jeden Tag unter vielen solchen Wundern.

Halten wir fest:  das Leben der Kirche ist nicht ohne Auferstehung, noch mehr:  nicht ohne viele Auferstehungen.

 

Traurige Öde der Kirche

Mag nun auch solche traurige Öde, wie sie uns von allen Seiten entgegentritt, mit lauter Stimme zu bezeugen scheinen, es sei von der Kirche nichts mehr übrig, so sollen wir doch wissen, daß Christi Tod seine Frucht trägt und daß Gott seine Kirche auf wundersame Weise gleichsam in dunkler Verborgenheit bewahrt.

Inst. IV 1,2

Wenn alles zum ärgsten gekommen ist

Gott hat uns in solche äußere Notsituation gebracht, daß, wenn ihr nicht von dieser selben Seite Hilfe erhieltet, man nach menschlichen Maßstäben nichts anderes erwarten würde als eine jämmerliche und schreckliche Katastrophe. Ich weiß wohl:

Wenn alles zerstört und verloren ist, hat Gott unbegreifliche Mittel, seine Kirche wieder herzustellen, als wenn er sie von den Toten auferweckte. Und eben darauf müssen wir warten und uns darauf verlassen, daß, wenn wir ganz ausgelöscht sein werden und alles zum ärgsten gekommen ist, er sich wohl ein neues Volk aus unserer Asche erschaffen kann. Brief an die Gemeinden des Languedoc, 1562

 

Erneuerung der Kirche

Bei der Erneuerung der Kirche handelt es sich um ein Werk Gottes, das von menschlichen Erwartungen und Gutdünken sowenig abhängt wie die Auferstehung der Toten oder ein anderes Wunder solcher Art.

nach M.Simon Um Gottes Ehre ! 1924, S.258

 

Freiheit der Gemeinden

Zur Einheit der Kirche ist es nicht erforderlich, daß überall dieselben kirchlichen Gebräuche und gottesdienstlichen Formen in Übung sind. Die Gemeinden haben, weil sie Christi eigen sind, darin Freiheit.

 

 

 

   Zum Gottesdienst

 

Erbauliche Zeremonien

Wir sollen Gottes Gaben ohne Gewissensbedenken, ohne Verwirrung unseres Herzens gebrauchen ... In diesen Zusammenhang gehören auch alle Zeremonien, die man frei halten oder auch unterlassen kann: da darf unser Gewissen durch keinerlei Notwendigkeit verpflichtet werden, sie zu halten, sondern es muß daran denken, daß ihm der Gebrauch der Zeremonien durch Gottes Wohltat unterworfen ist, je wie es zur Erbauung dient.   Institutio, III, 19,8

 

 

 

   Zur Taufe

 

Keinerlei Vorzugsstellung gegenüber Juden

Paulus will hier [1. Kor 10] doch gerade zeigen, daß der Christ auf Grund seiner Taufe keinerlei Vorzugsstellung gegenüber den Juden für sich in Anspruch nehmen kann.                           Institutio II, 10,5

 

 

 

   Zum Heiligen Mahl

 

Zur Theorie

Wir sagen, daß der Leib und Blut Christi wirklich und auf wirksame Weise ausgeteilt werden, nicht aber auf natürliche Weise. Dadurch zeigen wir an, daß nicht die Substanz des Leibes selbst oder wahre natürliche Leib Christi hier gegeben werden, sondern alles, was Christus uns durch seinen Leib an Wohltaten erweist. Das ist die Gegenwart des Leibes, die das richtige Sakramentsverständnis fordert.  Institutio IV

 

Die sicherste Regel

Wir sollen in leiblichen Dingen die geistlichen empfangen, als ob sie uns vor Augen gestellt wären; denn es hat dem Herrn gefallen, sie unter solchen Bildern zur Darstellung zu bringen. Das beruht nun nicht darauf, daß solche Gnadengaben [Reinigung, Tilgen unserer Missetaten, Satan das Reich nehmen, Schwächung der Begehrlichkeit, Gotteskenntnis] etwa an das Sakrament angebunden oder in es eingeschlossen wären, damit sie uns durch die Kräfte des Sakraments zuteil würden; nein, es geschieht nur darum, weil der Herr uns unter diesen Merkzeichen seinen Willen bezeugt, nämlich eben dies, daß er uns das alles gewähren will. 

Institutio IV, 15,14

 

Zur Praxis

Laßt uns doch in erster Linie, wenn wir zum Tisch des Herrn treten, wissen, daß es ein Geheimnis ist, das unser Begriffsvermögen übersteigt, und das es deshalb erforderlich ist, hier dem Glauben Raum zu geben. Wir sollen wissen, daß das was Menschen nicht zu begreifen vermögen, dennoch durch die geheime und unsichtbare Gnade des Heiligen Geistes verwirklicht wird. Predigt über Apostelgeschichte 2,1-4; CR 48,632

 

 

 

    Zur Vorsehung/Prädestination

 

Zweifel ?

Zweifeln wir, ob wir auch von Christus in seine Treue und Hut aufgenommen sind, so tritt er selbst solchem Zweifel entgegen, indem er sich aus freien Stücken als unser Hirte anbietet und uns kundtut, dass wir in die Zahl seiner Schafe eingereiht werden, wenn wir seine Stimme hören (Joh.10,3).                   Institutio III 24,6

 

Grund für Gottesferne und Spötteleien

Der Geist Gottes soll alles führen und solchen Eifer in uns anzünden, daß wir brennen, unseren Gott anzurufen anstatt so kalt zu bleiben ...

Was ist der Grund für solches Mißverständnis und solche Gottesferne überall auf Erden, für soviel Aufruhe und Spötteleien, wenn nicht der, daß nicht alle die Gnade haben, zum höchsten Hirten geführt zu werden, der uns geschenkt ist von Gott, seinem Vater ?

Und wir wissen, daß alle, die in seinem Schutz sind, nicht zugrunde gehen, wie er es verheißen hat.

Predigt über Apostelgeschichte 2,1-4; CR 48,632

 

Souveränität Gottes

Wenn sie also in ihrer Verwerfung zugrunde gehen, ... Ist Gott darum nicht ungerecht, wenn er mit seinen Geschöpfen so grausam spielt ?

Ich gestehe nun offen zu, daß alle Kinder Adams in den Elendsstand, dem sie nun verhaftet sind, durch Gottes Willen gefallen sind. Ebendas habe ich zu Anfang gesagt:

Man muß doch immer allein auf die Bestimmung des göttlichen Willens zurückkommen, dessen Begründung in Gott selbst verborgen ist. Aber daraus folgt nicht gleich, Gott solch mißgünstiger Anklage zu unterwerfen. Wir widerstehen solchem Anliegen mit Paulus (Röm. 9,20f) auf diese Weise:  O Mensch wer bist du, der du mit Gott rechten willst? Sagt denn ein Werk zu seinem Schöpfer:  Warum hast du mich so gemacht? Steht es nicht in der Macht des Töpfers, aus derselben Masse ein Gefäß zur Ehre und ein anderes zur Unehre zu machen?

Sie werden jedoch verneinen, daß so die Ehre Gottes verteidigt werden kann. Man wird behaupten, auf diese Weise werde eine Ausflucht erschlichen, die diejenigen vorzubringen pflegen, denen eine rechte Entschuldigung fehlt. Denn was schein hier anderes gesagt zu werden, als daß Gott eine Macht besitzt, die sich nicht hemmen läßt, alles das auszuführen, was immer sie will.

In Wirklichkeit liegen die Dinge anders. Denn was kann als noch wesentlichere Überlegung vorgebracht werden als der Befehl, darüber nachzudenken, wer Gott denn sei ?

Auf welche Weise sollte denn dem irgendeine Ungerechtigkeit, der der Richter des Erdkreises ist ?

Deshalb liebt er ganz natürlich  die Gerechtigkeit und wendet sich von der Ungerechtigkeit. ... der Apostel ... weist darauf hin, der Beweggrund göttlicher Gerechtigkeit sei tiefgründiger, als daß er durch menschliches Vermögen gemessen oder durch Schwachheit menschlichen Geistes erfaßt werden könnte. Allerdings bekennt der Apostel, diese Tiefe der göttlichen Gerichte sei derart, daß aller Menschengeist davon aufgezehrt wird, wenn er es unternimmt hier einzudringen. Aber er lehrt auch, wie unwürdig es ist, die Werke Gottes zu einem Gesetzt herabzuziehen, das wir selbst sogleich abzuurteilen wagen, wenn uns ihre Berechtigung nicht einleuchten.                                                                                         Institutio III 22,11

 

Von der Gewißheit der Erwählung

... willst du also Gewißheit darüber haben, ob du erwählt bist?

Dann sieh dich selbst in Jesus Christus an! Denn alle, die im Glauben mit Jesus Christus wahrhaft verbunden sind, dürfen ganz sicher sein, daß sie zum Kreis der ewigen Erwählung Gottes gehören und zu seinen Kindern zählen. Jeder also, der „in Christus“ ist und durch den Glauben ein Glied seines Leibes, wird seines Heils gewiß, und wenn wir uns darüber Klarheit verschaffen wollen, dürfen wir nicht hinaufsteigen, um Dinge zu erforschen, die uns zur Stunde noch verborgen bleiben sollen, sondern Gott steigt zu uns herab. Von woher: das zeigt er uns in seinem Sohn, als ob er uns sagen wollte: Hier bin ich, schaut mich an und erkennt, wie ich euch zu meinen Kindern angenommen habe. Wenn wir also dieses Zeugnis des Heils annehmen, das uns mit dem Evangelium gegeben ist, dann erkennen wir mit letzter Gewißheit, daß Gott uns erwählt hat.

Deshalb brauchen die Glaubenden an ihrer Erwählung nicht zu zweifeln, sondern dürfen sie für eine fest beschlossenen Sache halten. Seit sie durch die Predigt des Evangeliums zum Glauben berufen sind, sind sie Teilhaber an der Gnade unseres Herrn Jesus Christus und an der Verheißung, die er ihnen in seinem Namen gegeben hat. Denn unser Herr Jesus Christus ist das Fundament von beidem: der Verheißungen des Heils und unserer gnädigen Erwählung, die seit der Erschaffung der Welt feststeht...“

Von der Erwählung Gottes, 1551, Studienausgabe 'Reformatorische Klärungen', Bd. 4

 

Vorsehung Gottes besteht in seinem Wirken

Vorsehung - das muß der Leser festhalten - bedeutet also nicht, daß Gott müßig im Himmel betrachtete, was auf Erden vor sich geht, sondern im Gegenteil, daß er gewissermaßen das Ruder hält und also alle Ereignisse lenkt. (...) Daraus folgt, daß die Vorsehung Gottes in seinem Wirken besteht, und deshalb ist es unklug, wenn einige von einem bloßen Vorherwissen Gottes schwatzen.                                           Institutio I, 16, 4

 

Wie Gott an seinen Auserwählten handelt

Gott handelt in seinen Auserwählten stets auf doppelte Weise: im Inneren durch seinen Geist, von außen durch sein Wort. Durch den Geist erleuchtet er den Verstand, bringt das Herz zur Liebe und Verehrung gegenüber der Gerechtigkeit und macht solchermaßen aus dem Menschen eine neue Kreatur. Durch das Wort reizt er ihn, diese Erneuerung zu begehren, zu suchen und zu erlangen.                           Institutio II, 5,5

 

Und wie ist mit den Verworfenen umzugehen ?

Es gibt die Verworfenen, doch wir können nicht wissen, wer sie sind. Mit den Augen der Liebe müssen wir jeden betrachten, als sei auch er ein Erwählter.                                                      Rat an die Gemeinde in Genf

 

 

 

  Über Nachsicht

 

Über das Ertragen von Unvollkommenheiten des Lebens

Noch viel weiter aber muß unsere Nachsicht im Ertragen der Unvollkommenheit des Lebens [unserer Brüder] gehen. Denn an diesem Punkt kann man sehr leicht ausgleiten und zu Fall kommen; auch lauert uns hier der Satan mit mehr als gewöhnliche Hinterlist auf. Denn es hat stets Leute gegeben, die von dem falschen Wahn einer vollkommenen Heiligkeit ergriffen waren, als ob sie bereits gleichsam zu Geistern in der Luft geworden wären, und dann aus solcher Gesinnung heraus die Gemeinschaft mit allen Menschen verachten, an denen nach ihrem Eindruck noch etwas Menschliches übrig geblieben war. ... Denn wo der Herr Milde fordert, da lassen sie sie beiseite und liefern sich ganz und gar einer maßlosen Strenge aus. Sie meinen nämlich, wo keine vollkommenen Reinheit und Lauterkeit des Lebens sei, da sei auch keine Kirche, und deshalb sondern sie sich aus Haß gegen die Laster und in der Meinung, sie schieden sich von einer Rotte der Gottlosen, tatsächlich von der rechtmäßigen Kirche ab.                                                 Institutio IV 1,13

 

Einheit der Kirche nicht durch zu große Strenge oder Ängstlichkeit zerstört

Wir meinen nicht, brennende Kerzen beim Abendmahl und Hostien mit Bildern darauf seien unwichtige Dinge, wenn es gilt, ihnen zuzustimmen und sie zu billigen, aber sie sind ganz gut, wenn es nur gilt, sich einem bestehenden Brauch anzupassen, wo wir nicht die Macht haben, ihn zu ändern. Handelte es sich darum, solche Zeremonien hier bei uns einzuführen, so wären wir durch unsere uns von Gott angewiesene Stellung gezwungen, Widerstand bis aufs äußerste zu leisten und die Reinheit, die die uns anvertraute Kirche schon besitzt, festzuhalten. Kämen wir aber an einen Ort, wo eine andere Form bestünde, so wäre keiner unter uns, der um einer Kerze oder eines Messgewandes willen sich vom ganzen Kirchenkörper trennen und sich so des Abendmahlgenusses berauben wollte. […] Denn es ist den Kindern Gottes wohl erlaubt, sich vielen Dingen unterzuordnen, die sie nicht billigen. Das Wichtigste ist nur, zu wissen, wie weit diese Freiheit
gehen soll. Da halten wir nun dafür, es sei das als fester Grundsatz aufzustellen: einer soll sich dem andern anpassen in allen den Zeremonien, die keinen entscheidenden Einfluss auf das Bekenntnis unseres Glaubens haben, damit die Einheit der Kirche nicht durch unsere zu große Strenge oder Ängstlichkeit zerstört wird.

an französische Flüchtlinge in Wesel, 1554

 

Strenge soll nie den Sieg über die Menschlichkeit davontragen

Nachlässigkeit in der Kindererziehung mit Ausschluss vom Abendmahl zu strafen, erscheint mir zu hart. Zu tadeln ist die Gleichgültigkeit der Eltern; anzutreiben sind sie mit allen Mitteln, auch Drohungen sind anzuwenden; wo aber weder handgreifliche Gottlosigkeit noch Verachtung noch sonst ein schwereres Vergehen vorliegt, ist es besser, Milde statt Strenge walten zu lassen. In allen kirchlichen Maßregelungen soll überhaupt die Regel gelten, dass die Strenge nie den Sieg über die Menschlichkeit davontragen soll. […]

Über das unwissende Volk ist’s schwer, eine feste Regel aufzustellen. Aber es braucht dabei jedenfalls eine ungewöhnliche Klugheit, damit der Pfarrer unterscheiden kann zwischen der natürlichen Schwerfälligkeit, an der die meisten leiden, und der geistigen Stumpfheit, die man gewöhnlich krasse, absichtliche Unwissenheit nennt. Denn es finden sich viele, die in ihrem Privatleben recht schlau sind, sehr schlau, wenn’s gilt, einen Gewinn zu machen, und scharfblickend, wenn’s heißt, einem Verlust auszuweichen; aber ihren Glauben auch nur mit einem Worte auszudrücken, dazu sind sie nicht imstande. Sehen wir also solche, die nichts lernen wollen, […] so würde ich kein Bedenken tragen, sie vom Abendmahl auszuschließen. Bei andern Halbblöden aber bin ich der Meinung, es so zu halten: Sie sollen nur zugelassen werden, wenn sie wenigstens die allernotwendigsten Elemente kennen, das Unservater , das Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote und bekennen, dass ihr ganzes Heil in Christo ruht und er ihr einziger Mittler ist, auch nicht ganz unwissend sind über den Zweck ihrer Taufe und den Brauch des Abendmahls.                  an einen Pfarrer in Maastricht, 1559

 

Wenn Gott schweigt

Selbst wo Gott uns nicht folgt, ist er unseren Bitten gegenüber freundlich und gnädig.       Institutio III 20,52

 

 

 

  Über Arme, Reiche, Ausländer und Humanität

 

Klarste Regel für unsere Freiheit

Die weitaus klarste Regel ist also die,:  wir sollen von unserer Freiheit Gebrauch machen, wo es zur Erbauung unseres Nächsten dient; wenn es dem Nächsten aber nicht dazu dient, so sollen wir auf sie verzichten!                                                                                                                           Institutio III, 19,12

 

Über Arme und Ausländer

In einer Predigt sprach Calvin von einer Begegnung mit einem Ausländer, dessen Sprache er nicht verstand: Unser Herr zeigt uns heute, daß wir Brüder sein werden, weil Christus der Friede der ganzen Welt und all ihrer Bewohner ist. Daher müssen wir zusammen leben in einer Familie von Brüdern und Schwestern, welche Christus mit seinem Blut begründet hat. Und mit jeder Feindschaft [die uns begegnet] gibt er uns die Gelegenheit, damit der Feindschaft zu widerstehen."           Calvini Opera 28,16f (Predigt zu 5.Mose 22,1-4)

 

Unser Spiegel

Wir können unser eigenes Gesicht nicht sehen außer in einem Spiegel, nämlich in der Person, die arm und verachtet ist ..., [und so], als wären wir die von weitester Ferne herkommenden Fremden in der Welt.

Laßt einen Schwarzen oder einen Barbaren unter uns kommen, und doch, sofern er ein Mensch ist, bringt er einen deutlichen Spiegel mit sich, in dem wir sehen können, daß er unser Bruder und Nächster ist.

Calvini Opera 51,105 (Predigt über Galater 6,9-11)

 

Humanismus

Ubi cognoscitur Deus, etiam colitur humanitas (Wo Gott wahr- und ernstgenommen wird, da wird auch für Humanität gesorgt).                                                                    Calvini Opera 38,388 (Jeremia-Kommentar)

 

Ausgleich von Unterschieden

Alle denkbaren Unterschiede gleicht die Gemeinschaft mit dem einen Christus aus.

J.Calvin Auslegung der Heiligen Schrift, 13.Band, Moers, ohne Jahresangabe, S.60

 

Reichtum nicht für Glück halten

Darum haben es alle nötig, sich selbst wach zu machen, damit sie sich aufgrund ihres Reichtums nicht für glücklich halten.                                                                                 Predigt zu Lukas 12, 16ff, in CO 45,385

 

Niemand soll zu viel oder zu wenig haben

Gott will, daß ein Verhältnis und eine Gleichheit zwischen uns besteht, d.h. daß jeder mit dem Nötigen zu versorgen ist entsprechend dem Umfang seiner Mittel, so daß niemand zu viel und niemand zu wenig hat. 

Calvini Opera 50,100f (Kommentar zu 2.Kor.8,13f)

 

Calvin verordnete

... , daß niemand drei ganze Tage im Bett liegen darf, ohne dies einen Pfarrer wissen zu lassen, und daß jeder daran denkt, die Pastoren zu benachrichtigen.

 

 

 

  Über die Kunst

 

... zumindest jedoch zum Vergnügen

Ich bin jedoch nicht so kleinlich zu urteilen, daß man überhaupt kein Bild dulden oder ertragen dürfte: aber, je mehr die Kunst des Malens und der Bildhauerei Gottes Gaben sind, um so mehr verlange ich, daß deren Anwendung rein und begründbar gewährleistet ist, damit das, was Gott den Menschen für seinen Ruhm und ihr Wohl gegeben hat, nicht verdreht und durch ungeregelten Mißbrauch beschmutzt wird, und nicht nur das: auch noch in unseren Verfall umschlagen wird [ ].

Wenn man folgern wollte, daß es keinesfalls zulässig ist, irgendeine Malerei auszuführen, so hieße dies, das Zeugnis Moses schlecht zu vernehmen. Manche sind zu einfältig und sagen: "Es ist überhaupt nicht zulässig, ein Bild anzufertigen." Das heißt, kein Bild und keinerlei Portrait zu machen; nun zielt die Heilige Schrift aber nicht darauf ab, wenn gesagt wird, daß es nicht zulässig ist, Gott darzustellen, weil er keinen Körper hat; bei den Menschen hingegen ist das eine andere Sache, denn das, was wir sehen, wird in der Malerei sich abbilden können [ ].

Es bleibt, daß man nur Sachen malt oder in Stein haut, die man mit dem Auge sieht. So soll die Herrlichkeit Gottes, die zu hoch ist für menschliches Sehen, keinesfalls durch Geister verschlechtert werden, die ihr nicht angemessen sind. Was das angeht, daß man gravieren oder malen darf, so gibt es Geschichten, deren Erinnerung man bewahrt, oder eine Abbildung oder Rundrelief von Tier, Stadt oder Land. Die Geschichten können durch irgendeinen Hinweis oder Erinnerungen vorteilhafter werden, die man ihnen entnimmt, die einen übrigens bewegen; ich weiß nicht, wozu es nützt, zumindest jedoch zum Vergnügen [ ].

 

 

 

  Über die Musik

 

Erstes Ding für Erholung und Genuß

Unter allen Dingen, die geeignet sind, dem Menschen Erholung und Genuß zu verschaffen, ist die Musik das erste, oder doch eines der wichtigsten, und wir haben sie als eine dazu bestimmte Gottesgabe einzuschätzen.

Calvin Studienausgabe 2 S.157 (1994ff)

 

  Als ob er selbst in uns sänge

Darum mögen wir suchen, wo immer wir wollen, wir werden keine besseren Lieder finden als die Psalmen ... Wenn wir sie singen, so sind wir sicher, daß Gott uns die Worte in den Mund legt, so als ob er selbst in uns sänge, um seine Ehre zu erhöhen.

Calvin Studienausgabe 2 S.159 (1994ff)

Zum Gesang

Man muß sich nur gründlich hüten, daß nicht das Ohr mehr Aufmerksamkeit auf die Melodie verwendet, als das Herz auf den geistlichen Sinn der Worte.

Institutio III, 20, 32

 

 

 

  Über das Geld

 

Stillsitzend von der Arbeit aller den Zins heimsen

Es ist höchst unwürdig: während einzelne mühsam ihr Leben verdienen, die Bauern in täglicher Arbeit sich ermüden, die Handwerker mit viel Schweiß den andern dienen, die Kaufleute nicht nur fleißig arbeiten, sondern Mühe und Gefahren auf sich nehmen müssen, heimsen allein die Geldverleiher sozusagen stillsitzend von der Arbeit aller den Zins ein. Dazu wissen wir, daß es zum größten Teil nicht die Reichen sind, die durch solches Zinsen geschröpft werden, sondern vielmehr die kleinen Leute, die viel eher Erleichterung nötig hätten.

 

Reichen schenken wir mehr Vertrauen als Gott

Freilich, wenn man Geld leihen oder in den Handel stecken will, da überzeugt man sich zwei- oder dreimal, ob es auch sicher sei. Findet man dann aber schließlich einen reichen, zahlungsfähigen, vertrauenswürdigen Menschen, so schließt man daraus, daß man sich ihm wohl anvertrauen könne. Gott jedoch hat nicht soviel Kredit, daß man sich mit seinem Wort zufrieden geben würde.

 

Gewohnheit der Welt korrigieren

Denn so, wie Jesus an anderer Stelle die verschwenderischen Gäste und die ehrgeizigen Gelage der Reichen tadelt und daraufhin befiehlt, eher die Blinden, die Lahmen und andere Arme der Straße einzuladen, die nicht das Gleiche zurückgeben können - so will er auch an dieser Stelle (Lukas 6,35) die sündhafte Gewohnheit der Welt korrigieren, Geld zu verleihen, und er befiehlt uns, grundsätzlich an die zu verleihen, bei denen es keinerlei Hoffnung gibt, es wiederzubekommen.

Über die Wucherzinsen, CO 10a, 245ff (J.Calvini Opera quae supersunt omnia, 1887ff)

 

Eher Arme unterstützen als Reiche

Nun haben wir aber die Gewohnheit, zuerst darauf zu achten, wo sich das Geld mit Sicherheit vermehren kann. Aber viel eher ist es nötig, den Armen zu helfen, bei denen das Geld nicht so sicher angelegt ist. So sind die Worte Christi gültig, sozusagen als wenn er befehlen würde, eher die Armen zu unterstützen als die Reichen.                             Über die Wucherzinsen, CO 10a, 245ff (J.Calvini Opera quae supersunt omnia, 1887ff)

 

Wie man sein Geld rechtmäßig zinsbringend anlegen könnte

Geliebter Bruder, weil es sehr oft geschieht, dass beim Geldverleihen auf Zinsen allerlei wider Recht und Billigkeit gehandelt wird, so wäre eine einfache Antwort auf deine Frage, auf welche Art man sein Geld rechtmäßig zinsbringend anlegen könne, nicht durchaus sicher. Zuweilen wird's geschehen, dass auch der kleinste Zinsgewinn nicht ohne Sünde gegen Gott und Unrecht gegen den Nächsten gemacht werden kann. Deshalb musst du mich entschuldigen, wenn ich dir hier nicht, wie du erwartest, bestimmte Vorschriften geben kann. Hier in Genf ist zwar ein gewisser Zinsfuß gesetzlich festgestellt, doch folgt daraus noch nicht, dass der Gläubiger bei einem Armen nun mit gutem Gewissen von diesem Zinsfuß Gebrauch machen dürfte, wenn dadurch der Arme doch irgendwie gedrückt wird.                                                                                                     an einen Hugenotten, 1556

 

Wucherzinsen von der Welt verjagen

Sicherlich wäre es wünschenswert, daß die Wucherzinsen von der ganzen Welt verjagt würden, daß selbst ihr Name unbekannt wäre. Aber weil das unmöglich ist, muß es dem gemeinsamen Nutzen dienen. [Calvin fordert, Zinsverträge offenzulegen und Zinsen auf 5% zu begrenzen]

Über die Wucherzinsen, CO 10a, 245ff (J.Calvini Opera quae supersunt omnia, 1887ff)

 

Begleiterscheinungen Grausamkeit und Betrug

Der Grund ist, daß sehr häufig mit der ungesetzlichen Erlaubnis, Wucherzinsen zu erheben, Grausamkeit verbunden ist und viele üble Betrügereien. Was sage ich! Wucher hat quasi immer diese zwei untrennbaren Begleiter, nämlich tyrannische Grausamkeit und die Kunst zu betrügen.

Über die Wucherzinsen, CO 10a, 245ff (J.Calvini Opera quae supersunt omnia, 1887ff)

 

Profit, d.h. Gewinn aus dem Schaden andere ziehen

Denn jeder, der nach sich und seinem besonderen Profit trachtet, nimmt oder eher raubt einen Gewinn aus dem Schaden des anderen. Über die Wucherzinsen, CO 10a, 245ff (J.Calvini Opera quae supersunt omnia, 1887ff)

 

 

 

   Zum sog. "Calvinismus"

 

Kein gräulicheres Schimpfwort finden sie, um Deine Hoheit, durchlauchtigster Fürst, anzugreifen, als die Bezeichnung Calvinismus! Woher dieser bittere Hass gegen mich stammt, ist klar zu sehen [nämlich], dass sie erzürnt sind, wenn nun dieser Nebel der Unwissenheit, auf den sie sich so sicher und vergnügt verließen, durchbrochen wird.                                                                              Calvin an Kurfürst Friedrich III. 1563

 

 

 

   Zu Calvins Charakter

 

Der gelegentlich "Theokrat" gescholtene schrieb dazu:

Der Senat [von Genf] ruft mich immer nur dann, wenn er sich in wesentlichen Fragen keinen Rat weiß, sei es, so etwas sei unziemend oder weil er nicht gerne fremde Unterstützung in Anspruch nimmt oder auch weil er spürt, daß ich ausweiche [Regierungsgeschäften]. Wenn ich doch selbst darum ersuchen könnte, mit solchen Dingen nicht mehr behelligt zu werden. Aber seitdem ich vor 15 Jahren hierher zurückkam, als mich Gottes Hand hierher wies und die Menschen zudringlich nach mir verlangten, ich auch keinen Ablehnungsgrund besaß, da wollte ich eher viel Kraft darauf verwenden, die Zwistigkeiten zu beschwichtigen, als ihnen untätig zusehen.                 Brief an den Stadtschreiber zu Bern, 21.2.1556; CR 16,43

 

Der gelegentlich "Tyrann" gescholtene schrieb dazu:

Wie faul die Nachrede von meiner Tyrannei ist, das kann ich ruhig von meinen Brüdern und Kollegen beurteilen lassen, die sich gewiß noch nie über meine drückende Herrschaft beklagt haben. Oft haben sie mir sogar vorgeworfen, ich sei zu ängstlich und brauche meine Machtstellung, die sie alle billigten, im Notfall nicht offen genug. Wenn meine Gegner nur sähen, in wie schweren Verhältnissen ich mein Lehramt ausübe und dabei doch nichts für mich beanspruche, sie müßten sich selbst ihres leichtsinnigen Geredes schämen.

an Französische Gemeinde Frankfurt/M., 24.6.1556; in: Eine Auswahl von Briefen Calvins, R.Schwarz Bd.II, S.148

 

Zwischen Schwertern

Der Rat war einberufen. Meinen Kollegen hatte ich schon Tags zuvor angesagt, ich werde ins Rathaus kommen. Wir gingen hin und zwar schon vor Beginn der Sitzung. Weil viele noch auf dem Platz umhergingen, so traten auch wir vor die Tür, in der Nähe des Rathauses. Von dort her hörte man verworrenes Geschrei. Da war nicht zu zögern. Es schwoll so an, dass man deutlich merken konnte, es sei offener Aufruhr. Ich lief gleich hin, schrecklich war’s anzusehen. Ich stürzte mich in den dichtesten Haufen. Obwohl alle fast versteinert waren, liefen sie doch alle auf mich zu und zogen mich hin und her, damit mir kein Leid geschehe. Ich beschwor Gott und Menschen, eben deshalb sei ich hergeeilt, um mich zwischen ihre Schwerter zu stellen. Ich rief: Fangt mit mir an, wenn Blut fließen soll! Da ließen sie gleich viel von der Hitze ab, und zwar auch die Bösen, besonders aber die Gutgesinnten. Schließlich zog man mich in den Ratssaal. Dort gab’s neue Händel, und ich legte mich wieder ins Mittel. Es sind alle der Meinung, nur mein Dazwischentreten habe ein großes, furchtbares Blutvergießen verhindert. Ich erreichte, dass alle sich setzten. Wie es die augenblickliche Lage erforderte, hielt ich nun eine lange, scharfe Ansprache. Man sagt, es seinen alle davon wunderbar bewegt gewesen.                                                               an seinen Freund Viret, 1547

 

 

 

  Weitere Zitate

 

Gottes Souveränität

Gott geht in die Beziehungen der Menschen ein, aber nicht aus ihnen hervor.

 

Alles ist nur Anfang

Wir müssen unser ganzes Leben lang vorwärts kommen, und alles, was wir erreichet haben, ist immer nur Anfang.

 

Fortschritt und Gottesgewißheit

Schreiten wir fort (es gehört ja zu uns, daß wir beharrlich fortschreiten) so kommen wir, gewissermaßen im Weitergehen, zu einem näheren, deshalb auch gewisseren Schauen von Gottes Angesicht; eben im Vorwärtsschreiten wird es uns immer vertrauter.                                                                    Institutio III,2,19

 

Ein Samen der Demokratie in der Blütezeit des Absolutismus

So bringt also die Gebrechlichkeit und Mangelhaftigkeit des Menschen es mit sich, daß es sicherer und erträglicher ist, wenn mehrere das Steuerruder halten, so daß sie also einander gegenseitig beistehen, sich gegenseitig belehren und ermahnen, und wenn sich einer mehr als billig erhebt, mehrere Aufseher und Meister da sind, um seine Willkür im Zaume zu halten.                                                           Institutio

 

Calvin über Luther

Calvin vergleicht Luther mit einem Erstling unter den Knechten Christi, dem wir alle viel schulden.

Und in einem Brief schreibt er: Selbst wenn er mich einen Teufel schelten sollte, so würde ich ihn dennoch für einen erlesenen Gottesmann halten, der freilich auch unter großen Fehlern leidet, wie er an herrlichen Tugenden reich ist.

 

Dirigentin der Freiheit

Die Freiheit soll sich durch die Liebe regieren lassen.

 

 

 

Institutio christianae religionis 

Jean Cauvin / Johannes Calvin

 

  Johannes Calvin (1509-1564) - der sehr unbequeme Reformator 

Rolf Wischnath

 

Calvin und die Demokratie 

Eberhard Busch

 

Konfliktlotse Calvin 

Michael Weinrich

 

 Huldrych Zwingli und die Perspektiven für die Kirche im 21. Jahrhundert

Tilman Hachfeld

 

 Soli Deo Gloria! - Jean Calvin 10. Juli 1506 – 27. Mai 1564

Kurt Anschütz

 

 Calvin und die Einheit der Kirche

Eva-Maria Faber

 

 Glaube bereichert, Calvin und der Kapitalismus 

Matthias Krieg

 

 

 

 

    

 

       

 

       

 

   

 

Stand: 08. Februar 2017

 

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