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Friedrich Wilhelm I.,
König in Preußen (1688 - 1740)

.... kantig, doch unzweifelhaft fromm und bar aller Eitelkeit

 

Friedrich Wilhelm wurde am 15.8.1688 im Berliner Schloß als einziger Sohn des ersten Königs in Preußen geboren. Er starb am 31.5.1740 im Potsdamer Stadtschloß. Sein Sarg steht heute im Mausoleum an der Friedenskirche im Park Sanssouci. Er regierte ab 1713 bis zu seinem Tod.

Wesentlichen Einfluß auf die (reformierte) Erziehung des jungen Prinzen hatten Alexander Graf zu Dohna (Sohn einer Hugenottin und des letzten Gouverneurs der letzten hugenottischen Enklave in Frankreich, des kleinen Fürstentums Orange, geboren in Genf; später als Chef de nation zuständig für die Französischen Kolonien und an der Gründung unserer Gemeinde beteiligt) und der hugenottische Jean Philippe de Rebeur aus dem Brabant. Beide mögen auch die Reisen ihres Zöglings mit gerade 12 und 16 Jahren in die Niederlande veranlaßt haben, die prägenden Eindruck auf den Thronfolger hinterließen.

Verheiratet war Friedrich Wilhelm mit Sophia Dorothea von Hannover. Somit konnte er Georg I., König von England, Schwiegervater und dessen vornehmste Gefangene Sophie Dorothea von Celle Schwiegermutter nennen. Georg hatte sich von Sophie, als Sophia noch keine 10 Jahre alt war, scheiden lassen und hielt seine einstige Gemahlin lebenslang gefangen. Friedrich Wilhelm war auf seinen Schwiegervater nicht gut zu sprechen. Die vortrefflich gebildete und sehr schön Schwiegermutter - mütterlicherseits (Eléonore d'Olbreuse) von hugenottischer Abstammung - lieferte Stoff für etliche Dichter. So verarbeitet z.B. Arno Schmidt im Roman Das steinerne Herz (1956) Momente aus dem Leben dieser ungewöhnlichen Frau.

 

Zum Regierungsantritt fand Friedrich Wilhelm I. in Potsdam zwar das gut ausgebaute Stadtschloß vor, doch die "Stadt" bestand lediglich aus etwa 200 Häusern mit kaum 1.500 überwiegend armen Bewohnern. Dem sollte durch die Verlegung des königlichen Leibbataillons hierher und auch durch die Anwerbung von Hugenotten abgeholfen werden. Der Ausbau Potsdams zu einer Garnisonstadt begann. Zunächst quartierte die Leibgarde, teils über Jahre, in den 200 armen Haushalten. Die zugewanderten Franzosen waren von dieser Schikane allerdings ausgenommen.

Doch nach und nach ging das königliche Kalkül auf. - Mit neuem Gewerbe und Manufakturen, vornehmlich unter hugenottischer Regie, und dem stetigen Aufwuchs des Militärs und der Verwaltung, wurde eine Erweiterung Potsdams unabdingbar. Für die Urbanisierung des nördlich und westlich der Altstadt gelegenen Sumpfgebietes mittels zahlreicher Soldaten diente wahrscheinlich St.Petersburg als Vorbild und Ermutigung. Neue Stadteile wie das Französische Quartier entstanden, dazu die Stadtmauer. Letztere sollte aufhorchen lassen, denn Stadtmauern hatten zu jener Zeit schon ihre klassische Bedeutung verloren. In Potsdam diente sie tatsächlich auch einem neuartigen Zweck. Sie war Desertionen zwangsverpflichteter Rekruten vorgebaut.

 

Friedrich Wilhelm I., das zeigte sich bald auch in anderlei Gestalt, wurde ein innovativer Herrscher, sozusagen ein moderner Absolutist.

Gleich erwähnt werden soll, daß er die Gründung unserer Gemeinde genehmigte, sie mit zwei Pastoren opulent ausstattete, gleich am ersten Gottesdienst teilnahm, dafür seine Schloßkapelle bereitstellte und daß er die Französische Kolonie großzügig privilegierte.

Dieser König war von betont reformiertem Selbstverständnis (doch kein Konfessionalist) was sich für ihn in bemerkenswerter Strenge wie in unzeitgemäßem Streben nach Gerechtigkeit und in Verachtung von Protz,  Unmäßigkeit und Ausschweifung niederschlug (eine Lieblingsspeise: Bratwurst mit Zuckerbirnen). Höfischer Kunstbetrieb wurde von ihm ausgesprochen kurz gehalten.

In dieser Gesinnung initiierte er auch tiefgreifende Reformen der Justiz, der öffentlichen Finanzen, der Verwaltung und Wirtschaft. Reichen befahl er kurzerhand, Häuser bauen zu lassen, um Wohnraum zu schaffen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Wiewohl dem Monarchen der Ruf einer gewissen Wissenschaftsfeindlichkeit anhaftet, veranlaßte er die Gründung der Berliner Charité, auch ließ er - sehr modern - zwei Professuren für "Ökonomie, Polizey und Camer-Sachen" einrichten. Er etablierte gleichfalls das Berliner Kammergericht, das später zur Legende wurde.

Und bereits 1717 dekretierte der Landesherr die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, deren Ausführung er der Kirchenbehörde übertrug.

Als dezidiert Reformierter blieb Friedrich Wilhelm I. der preußischen Toleranzpolitik verpflichtet. Er betrieb die Aufnahme der durch den Erzbischof verfolgten und mitten im Winter exilierten Salzburger Lutheraner "aus christ=königlichem Erbarmen" und vermittelte ihnen optimale Ansiedlungsmöglichkeiten. Unduldsam wurde der fromme Protestant bei theologischen Extravaganzen. Seinen Potsdamer Hofprediger enthob des Amtes, weil dieser den Kronprinzen ein individuell ausgerichtetes Prädestinationsverständnis lehrte, das der König strikt ablehnte. Und auch der Bischof der Brüdergemeine verlor sein Hallenser Ordinariat, weil er die Abendmahlsgemeinschaft mit Nichterweckten verweigerte.

 

Gleich zu Beginn seiner Regentschaft hatte Friedrich Wilhelm I. den Mannschaftssold herauf gesetzt, während die Bezüge von Offizieren und Beamten bis zu einem Drittel gekürzt wurden. Der junge König legte eben höchsten Wert auf rigide Staatsfinanzen und - bei ausgeglichenem Haushalt - auf modernes Militär. So drosselte er auch die Ausgaben seines Hofes - sensationell - auf 1% der Staatsausgaben. Dergleichen reformierte er sehr munter. Aufsicht über das ungewöhnliche Finanzgebaren führte die neu geschaffene Generalrechenkammer, die dem König direkt unterstellt war und sämtliche zivilen und militärischen Budgets im Blick hatte.

Ähnlich hatte das Generaldirektorium zu agieren, das im Arbeitssaal des Berliner Schlosses zu festen Dienstzeiten arbeitete und dabei die zunehmend zentralisierte Staatsverwaltung beaufsichtigte. Den Reigen dieser Neuerungen schloß das Kriminalkollegium, das der Justiz im Reich vorstand, die fortan in den noch heute gängigen Roben aufzutreten hatte. Mit dem völlig überarbeiteten Preußischen Landrecht wurde quasi eine rechtsstaatliche Grundlage geschaffen, ohne damit freilich Grundlagen des Absolutismus anzurühren.

Sozusagen als Kollateraleffekt dieser Maßnahmen entstand das preußische Beamtenwesen, das wesentlich auf Tugenden pietistischer Frömmigkeit fußte und mit feudalistischem Standesdünkel brach.

 

Der König hatte eine nahezu pazifistische Grundhaltung, doch war er mehr noch praktizierender Realist. Ihm war bewußt, daß sich Preußen nur behaupten konnte, solange es militärische stark war. Doch er hatte unzweifelhaft ein darüber hinaus gehendes militärisches Faible. Ausgiebig ließ er seine Langen Kerls paradieren und drillte sie in eigener Person. Er freute sich daran, wie andere an Zinnsoldaten. Doch lag ihm auch an Bildung und Manieren beim Militär. Darum ließ er auch zu diesem Behuf bald Feldprediger anstellen. Die funktionalisierten zwar schon das Evangelium für die innere Ordnung und die Moral der Truppe, doch erst unter Friedrich II. kam es zur ausgereiften Instrumentalisierung des Militärkirchenwesens (ein Offiziere hatte zwar die „christliche Religion“ seiner Untergebenen zu fördern, mußte selbst aber kein Christ sein).

Am Ende seines Lebens kommandierte Friedrich Wilhelm I. schließlich das viertgrößte Heer Europas und trug den Zusatz "Soldatenkönig". Doch, man staune, er setzte seine militärische Großmacht nie offensiv ein. Das tat erst sein Sohn Friedrich - zweitältestes seiner 14 Kinder - und wurde damit zu Friedrich dem Großen.

 

Friedrich konnte seinen gerne spöttelnden und gelegentlich hoch cholerischen Vater (was heute auf eine erbliche Stoffwechselstörung zurückgeführt wird) nicht gut leiden. 1730 versuchte er, unterstützt von seinem Freund Hans Herrmann von Katte, zur Verwandtschaft nach England zu fliehen, weil er sich - des spartanischen Vaters überdrüssig - um seine Jugend gebracht sah und wohl auch, weil er musische Neigungen ausleben und die Braut, die sein Vater für ihn erkoren hatte, nicht wollte. Die Flucht scheitert mit den bekannten wie grausamen Folgen. Die Rückseite der königlichen Instruktion, durch die die Verurteilung Kattes zu lebenslanger Haft verschärfen wurde, trägt handschriftliche Verweise auf Dtn 17,8-12, 2.Sam 18,10-12 und 2.Chr 19,5-7. Wenig bekannt ist, daß im Zuge der Affäre auch die Tochter des Kantors der Nicolaikirche, Dorothea Elisabeth Ritter, monarchischer Zorn traf. Sie wurde wegen flüchtiger Liaison mit dem Kronprinzen öffentlich ausgepeitscht und in Spandau eingekerkert.

 

Nüchterne Betrachtung - die Umstände und Relationen gelten läßt - zeigt Friedrich Wilhelm I. dennoch als Mann unzeitgemäßer Gerechtigkeit, für den es offensichtlich unehrenhaft gewesen wäre, auf seinen Sohn, und sei er der Kronprinz, anderes Recht anzuwenden als auf jeden Untertanen.

Immerhin forderte Friedrich Wilhelm stets Gehorsam, den er selbst leistete. Dabei regierte und lebte er volksnah (er reiste oft inkognito). Seine Bildung war eher mäßig. Wohl auch von daher hegte er geradezu eine Aversion gegen höfisches Gebaren wie diplomatische Etikette. Absolutistisch gesinnt, wurden unter ihm aristokratische Befugnisse eingeschränkt ("Ich ruiniere die Junkers ihre Autorität und stabiliere die Souverainité wie einen Rocher von Bronce")

Für seine Zeit völlig untypisch legte der König großen Wert auf Sauberkeit. Musikalisch schwärmte er für Händel.

Dieser aufgeschlossene König in Preußen, einer der Gründungsväter unserer Gemeinde, war kantig, doch unzweifelhaft fromm und bar aller Eitelkeit, ein vielseitiger Diener eigener Ideale.

Friedrich Wilhelms Denkmal steht in Berlin-Neukölln, in der Kirchgasse, keine 300m vom Gemeindehaus der Reformierten Bethlehemsgemeinde entfernt.

 

 

 

Friedrich der Große und die Religion –  Wohltäter oder Totengräber?

Vortrag von Peter Zimmerling in unserer Kirche anläßlich "300 Jahre Friedrich II."

 

 

    

 

       

 

       

 

   

 

Stand: 08. Februar 2017

 

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